Da noch immer nach 40 Jahren Forschungsarbeit  der geschichtliche Hintergrund von der Burg auf dem Schnellerts fehlt, keine urkundliche Erwähnung gefunden wurde, sei es erlaubt, ein paar Hypothesen zu veröffentlichen, um nach den Erbauern, Besitzern und Zerstörern der Burg im 12. bis 13. Jahrh. zu suchen. Schon oft hat ein Zufallsfund in noch nicht geordneten Archiven oder beim Sortieren der Archivalien die Wahrheit oder neue Erkenntnisse an den Tag befördert.

Der Name Schnellerts wurde erst später vom Berg auf die Anlage übertragen.

1341 wurde als Zeuge ein Ritter Berthold, genannt Snelhart im Kontext von Kloster Himmelspforten und 1426 eine „snelharts wiese“genannt.

Christof Krauskopf vermutet eine Fehde zwischen der Breuberger Herrschaft und Schenk Gerhard III. von Erbach um 1300, die sich 1303 in Schlichtungsurkunden ohne Erwähnung der Gründe widerspiegelt. Oder………

Wappen

Wappen und Siegel des Wortwin von Raibach 1336

Riemenzungen vom Schnellerts

Riemenzungen mit Rautenmuster und Punktverzierung, Kupferlegierung, FO 1984/11

Auch die Herren von Raibach an der Mümling unterhalb  der Burg Breuberg könnten mit der Burg Schnellerts in Verbindung stehen oder um 1200, im Auftrag vom Kloster Fulda, ihre Erbauer auf fuldischem Grund und Boden sein, um die südwestliche Grenze gegen Crumbach und Erbach abzusichern. Denn………

Im Siegel des Wortwin von Raibach ist die untere Schildhälfte mit einem Rautenmuster und Punkten damasziert, genau wie die 2 bronzenen Riemenzungen, die auf dem Schnellerts gefunden wurden  und in das gepflegte Erscheinungsbild des Adeligen  im Mittelalter gehörten, um repräsentativ und standesgemäß auftreten zu können. Oder………

Nach neueren Überlegungen könnte der Anlage möglicherweise auch ein im Umfeld der Grafen von Erbach belegtes Ministerialiengeschlecht von Hochhausen in Frage kommen, schreiben Thomas Steinmetz und Heinrich Tischner  oder den vom Kloster Fulda eingesetzten Herren von Frankenstein und von Breuberg , ehemals Reize von Lützelbach zuzuordnen sein.

Thomas Steinmetz hat in seinem Vortrag : „Die Burg auf dem Schnellerts – kein unlösbares Rätsel“ am 26. Sept. 2015 beim Breubergbund einen neuen geschichtlichen Ansatz gefunden, der das nähere Umfeld des Schnellertsberges beleuchtet:

Die Erbauung dieser Burg wird mit dem Erwerb fuldischer Lehen im Gersprenztal und Kainsbachtal durch die Schenken von Erbach in Verbindung gebracht.

Haalhof in Ober-Kainsbach

Der Haalhof unterhalb vom Schnellerts, ehemals Hausen genannt.

Der Haalhof unterhalb der Burg – ehemals „Hausen“ genannt – ist erbach-fuldisches Lehen, ebenso das Erlenbacher Lehen in Ober-Kainsbach (Kuningisbach) und ein 3. Lehen im Wünschbachtal. Sie gruppieren sich halbkreisförmig um den Schnellerts, dienten der Versorgung und Unterhaltung der evtl. (?) geteilten Ganerbenburg oben auf dem Schnellerts derer „von Hochhausen“, ein erbachisches Ministerialien- und Burgmannengeschlecht, dessen namensgebender Sitz bis heute nicht identifiziert wurde.

Hier treffen Sage und Realität schleierhaft  aufeinander, wenn der Haalhof = Hausen im 13. Jahrh. der Naturalienlieferant der Burg auf dem Schnellerts war.

Also müsste die Burg „Burg Hochhausen“ heißen, die aus rein überwachungs- und wehrtechnischen Gründen im Auftrag der Erbacher Schenken erbaut wurde, um aus wirtschaftlichen Gründen den rohstoffhaltigen Odenwald, das Territorium der Erbacher, gegen den Zugriff anderer abzusichern. Aber warum wurde die Burg nach ca. 100 Jahren schon wieder zerstört??

Der Vortrag erscheint vollständig im nächsten Heft des Breubergbundes „Der Odenwald“.

Oder……… gehörte zu Beginn des 13. Jahrhunderts doch noch den Herren von Crumbach, also den Vorläufern der Rodensteiner. Das hat die Volksüberlieferung schon immer geahnt, als die Sage von dem unbekannten Ritter vom Schnellerts auf die bekannten Rodensteiner übertragen wurde und eine Begründung für die Verbindung der Geschichte dieser edlen Familien gesucht hat. Die Sagen vom Schnellertsherrn und dem Rodensteiner verbinden die Burgruine Schnellerts mit der nahe gelegenen Burg Rodenstein.

Das Buch: „Der Landgeist in der Grafschaft Erbach mit seinem Gefolge, genannt Rodensteiner im Odenwalde nach einer Sage der Vorzeit und den Acten-Auszügen aus der Registratur des Amtes Reichelsheim in der Grafschaft Erbach, bearbeitet von Winter, Augsburg, 1825 “ heißt es: „Nicht weit vom Dorfe Ober Kainsbach Oberlands Reichelsheim sieht man auf einer Berg-Spitze die Ruinen eines längst verfallenen Raubschloßes Schnellerts genannt, wo die ehemaligen Grafen von Rodenstein, deren Geschlecht längst ausgestorben ist, gehaußt haben sollen. Gegenüber liegt eine andere auch seit Jahren verfallene Burg, deren Grundmauern sich jedoch noch in einem etwas besseren Zustande befinden, als jene des Schnellerts, die noch heute den Namen Rodenstein führt.“ (S.9)

Beim Einplanieren des Burgplatzes 1840 für das dann alljährliche Volksfest wurde von der Familie Kredel aus Kirch Brombach eine eiserne Ofenplatte mit dem Rodensteiner Wappen gefunden. (SB 1977/ S.24)