Da noch immer nach 40 Jahren Forschungsarbeit  der geschichtliche Hintergrund von der Burg auf dem Schnellerts fehlt, keine urkundliche Erwähnung gefunden wurde, sei es erlaubt, ein paar Hypothesen zu veröffentlichen, um nach den Erbauern, Besitzern und Zerstörern der Burg im 12. bis 13. Jahrh. zu suchen. Schon oft hat ein Zufallsfund in noch nicht geordneten Archiven oder beim Sortieren der Archivalien die Wahrheit oder neue Erkenntnisse an den Tag befördert.

Der Name Schnellerts wurde erst später vom Berg auf die Anlage übertragen.

795 findet auf Befehl des Königs Karl im Wald auf dem Hügel Walinehoug eine Gerichtsverhandlung zur Grenzbereinigung der Heppeheimer Mark statt.

Zeugen dieser Grenzbereinigung sind: vom Ladengau: Dietbrecht, Erpold, Engel-
brecht, Leitrad, Isenbrecht, Reginbrecht, Hertrinc, Hadebrecht, Bubo, Erkenbrecht, Nanthoch, Helmbrecht; von der Wingarteiba: Adelbodo, Schnellhart, Waldrich, Bodololf, Albrich, Dragebodo, Gebehard, Moor; von Maingau und Oberrheingau: Graf Rupert (HL), Gerhart, Woifart, Rado, Lambodo, Tieto, Rugger, Wacher, Beinung, Duodo, Herman, Hererat, Regenher, German, Wachmunt, Rudolf, Ugo.

1341 wurde als Zeuge ein Ritter Berthold, genannt Snelhart im Kontext von Kloster Himmelspforten und 1426 eine „snelharts wiese“genannt.

Christof Krauskopf vermutet eine Fehde zwischen der Breuberger Herrschaft und Schenk Gerhard III. von Erbach um 1300, die sich 1303 in Schlichtungsurkunden ohne Erwähnung der Gründe widerspiegelt. Oder………

Wappen

Wappen und Siegel des Wortwin von Raibach 1336

Riemenzungen vom Schnellerts

Riemenzungen mit Rautenmuster und Punktverzierung, Kupferlegierung, FO 1984/11

Auch die Herren von Raibach an der Mümling unterhalb  der Burg Breuberg könnten mit der Burg Schnellerts in Verbindung stehen oder um 1200, im Auftrag vom Kloster Fulda, ihre Erbauer auf fuldischem Grund und Boden sein, um die südwestliche Grenze gegen Crumbach und Erbach abzusichern. Denn………

Im Siegel des Wortwin von Raibach ist die untere Schildhälfte mit einem Rautenmuster und Punkten damasziert, genau wie die 2 bronzenen Riemenzungen, die auf dem Schnellerts gefunden wurden  und in das gepflegte Erscheinungsbild des Adeligen  im Mittelalter gehörten, um repräsentativ und standesgemäß auftreten zu können. Oder………

Nach neueren Überlegungen könnte der Anlage möglicherweise auch ein im Umfeld der Grafen von Erbach belegtes Ministerialiengeschlecht von Hochhausen in Frage kommen, schreiben Thomas Steinmetz und Heinrich Tischner  oder den vom Kloster Fulda eingesetzten Herren von Frankenstein und von Breuberg , ehemals Reize von Lützelbach zuzuordnen sein.

Thomas Steinmetz hat in seinem Vortrag : „Die Burg auf dem Schnellerts – kein unlösbares Rätsel“ am 26. Sept. 2015 beim Breubergbund einen neuen geschichtlichen Ansatz gefunden, der das nähere Umfeld des Schnellertsberges beleuchtet:

Die Erbauung dieser Burg wird mit dem Erwerb fuldischer Lehen im Gersprenztal und Kainsbachtal durch die Schenken von Erbach in Verbindung gebracht.

Haalhof in Ober-Kainsbach

Der Haalhof unterhalb vom Schnellerts, ehemals Hausen genannt.

Der Haalhof unterhalb der Burg – ehemals „Hausen“ genannt – ist erbach-fuldisches Lehen, ebenso das Erlenbacher Lehen in Ober-Kainsbach (Kuningisbach) und ein 3. Lehen im Wünschbachtal. Sie gruppieren sich halbkreisförmig um den Schnellerts, dienten der Versorgung und Unterhaltung der evtl. (?) geteilten Ganerbenburg oben auf dem Schnellerts derer „von Hochhausen“, ein erbachisches Ministerialien- und Burgmannengeschlecht, dessen namensgebender Sitz bis heute nicht identifiziert wurde.

Hier treffen Sage und Realität schleierhaft  aufeinander, wenn der Haalhof = Hausen im 13. Jahrh. der Naturalienlieferant der Burg auf dem Schnellerts war.

Also müsste die Burg „Burg Hochhausen“ heißen, die aus rein überwachungs- und wehrtechnischen Gründen im Auftrag der Erbacher Schenken erbaut wurde, um aus wirtschaftlichen Gründen den rohstoffhaltigen Odenwald, das Territorium der Erbacher, gegen den Zugriff anderer abzusichern. Aber warum wurde die Burg nach ca. 100 Jahren schon wieder zerstört??

Der Vortrag erscheint vollständig im nächsten Heft des Breubergbundes „Der Odenwald“.

Oder……… gehörte zu Beginn des 13. Jahrhunderts doch noch den Herren von Crumbach, also den Vorläufern der Rodensteiner. Das hat die Volksüberlieferung schon immer geahnt, als die Sage von dem unbekannten Ritter vom Schnellerts auf die bekannten Rodensteiner übertragen wurde und eine Begründung für die Verbindung der Geschichte dieser edlen Familien gesucht hat. Die Sagen vom Schnellertsherrn und dem Rodensteiner verbinden die Burgruine Schnellerts mit der nahe gelegenen Burg Rodenstein.

Das Buch: „Der Landgeist in der Grafschaft Erbach mit seinem Gefolge, genannt Rodensteiner im Odenwalde nach einer Sage der Vorzeit und den Acten-Auszügen aus der Registratur des Amtes Reichelsheim in der Grafschaft Erbach, bearbeitet von Winter, Augsburg, 1825 “ heißt es: „Nicht weit vom Dorfe Ober Kainsbach Oberlands Reichelsheim sieht man auf einer Berg-Spitze die Ruinen eines längst verfallenen Raubschloßes Schnellerts genannt, wo die ehemaligen Grafen von Rodenstein, deren Geschlecht längst ausgestorben ist, gehaußt haben sollen. Gegenüber liegt eine andere auch seit Jahren verfallene Burg, deren Grundmauern sich jedoch noch in einem etwas besseren Zustande befinden, als jene des Schnellerts, die noch heute den Namen Rodenstein führt.“ (S.9)

Beim Einplanieren des Burgplatzes 1840 für das dann alljährliche Volksfest wurde von der Familie Kredel aus Kirch Brombach eine eiserne Ofenplatte mit dem Rodensteiner Wappen gefunden. (SB 1977/ S.24)

Oder……….. bereits im SB 1994 wies Thomas Steinmetz auf die Angaben eines Verwandten der Echterfamilie in der Chronik der Grafen von Zimmern (schwäbisch) des Froben Christoph von Zimmern (Handschrift von 1566) in Bezug auf die Echter hin:

Seitm als aber von diesem Philips Echter sovil in diser historia meldung beschicht, ist nit unzeitig, etwas von seinem herkommen, als vil man waist, zu vermelden, und findt der Echter geschlecht in den turnerbüechern und sonst gar alt. Von irem herkommen urspringlich findt man eben so wenig, als bei dem mererntail geschlechter deutscher nation, und ist auch des namens halb ain zweifel, ob der von den römischen Octaviis, oder aber, daz sie vor vil jharen bandirt und lange zeit in der acht gewesen, abkommen, welches letst doch das glaublicher.

Das ist aber ainmal gewiss, das sie nit allweg die Echter, sonder die von Brisneck gehaißen haben, und soll noch ain burgstall sein, so Brisneck genannt würt. Das ist vor vil jharen ain raubhaus gewesen, auch vor gar langer zeit zerstört worden. 1

Die alten Echter vor anderhalb oder zweihundert jharen (1566 – 200 = 1366) sein in ainem großen vermegen gewest; dan, als sie umb Brisneck kommen, sein inen das schloß Mespelbron und andere umbligende güeter zugestanden, daher sie des erzstifts Menz lehenleut worden. (1412)

Man sagt, es sei ain alter Echter gewesen, des eltern Petter Echters vatter, der hab mertails seiner ligenden güeter zu gelt gemacht und ain große parschaft gesamlt. Die soll er zu Mespelbron verborgen und vermaurt haben, als dann die alten vor jharen mit solchen sachen ganz wunderbarlich und seltzam gewesen. Wie er aber sterben wellen, hat in paralisis, daz im die redt gelegen, getroffen.

Graf Froben Christoph von Zimmern wurde am 19.02.1519 auf Schloss Mespelbrunn geboren und wuchs dort 12 Jahre auf. Er interessierte sich für die Familiengeschichte und hatte sicher als Familienmitglied Zugang zu den echterischen Archiven im Wasserschloss.

Vater von Froben Christoph Graf von Zimmern war Johann Werner Graf von Zimmern, Mutter war Katharina von Erbach *1480, +1548.

1273 bezeichnet Kaiser Rudolf von Habsburg Brisneck als ein Raubhaus. 2

  1. Chronik der Grafen von Zimmern von Froben Christoph von Zimmern, Handschrift fertig gestellt 1566, Band 2/S. 341, 1881
  2. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Band 14, S.231
29. März 2018 Barbara Dittmann