Sogar der Brensbacher Heimatdichter Karl Schäfer erwähnt in seinem Buch „Eulenspiegel im Odenwald“ 1911 auf Seite 77 den Schnellertsgeist, “ der bei seinem Auszug nachts bei Hübners in Brensbach Mahlzeit hält, wo der Bürgermeister Schaffnit jetzt noch eine Wirtschaft betreibt.“ 1

Wo stand das Haus, die befestigte, echterische Hofreite, der Adelshof derer von Brensbach oder der wappengleichen Echter?

Fakten zum echterischen Haus in Brensbach:

Die seit dem 13. Jahrhundert im Odenwald und als Erbacher Burgmannen und ab 1412 im Spessart nachweisbare Niederadelsfamilie der Echter starb mit Johann Philipp Echter (*1647, +1665) in männlicher Linie aus.

Anna Katharina von Rodenstein heiratete 1622 Karl Rudolfen Echter von Mespelbrunn. Damit wurde eine Verbindung von den Rodensteinern zu den Echtern hergestellt.

1701 erlosch die Familie der Echter und ihre Lehen fielen größtenteils an Erbach.

Johann Leonhard Hübner, der Erzähler der Geistergeschichten, wurde am 18. April 1714 in Brensbach geboren und starb dort am 6. April 1795.

Ab 1758 , zehn Jahre nach dem Tod seines Vaters, den er zu pflegen hatte (Leibzüchter), begannen Johann Leonhard Hübner und seine Frau in Brensbach von dem Geisterzug in ihrer Hofreite und Küche zu erzählen.

Nach Aussage des gräflichen, erbachischen Amtsadvokaten Theodor von Haupt (*1782, +1832), der den Leibzüchter Hübner persönlich in Brensbach aufgesucht hat und die Geistergeschichten überprüfen wollte, „war dieser Bauer Hübner ein wahres Kind, die personifizierte Dummheit und ein bewegliches Magazin toller Sagen.“ „Da aber Referent alles selbst aus dieses Bauern Munde ernsthaft hat erzählen hören, so glaubt er, daß der Bauer seine Augen nicht immer geschlossen gehalten hatte.“ Die Stube in Brensbach beschreibt Haupt als stinkendes Hundeloch mit Bett und Großvaterstuhl. 2

„Dieser Hübner und sein Nachbar besitzen ein Echterisch Haus, welches noch mit alten Mauern umgeben ist.“ 3 Er war mit Agatha Magdalena König aus Ober-Kinzig verheiratet ( *1.09.1717, +14.04.1771). Sie hatten 4 Kinder, die alle vor dem Vater starben, 3 im Kindesalter. 4

Sein Sohn Johannes Hübner(*1743, +1777) hatte 2 Töchter.

Tochter Anna Margaretha Hübner (*1772, +1839) heiratete 1796, nach dem die Familie Hübner im Mannesstamm 1795 ausstarb Johann Leonhard Schaffnit – den Sonnenwirt und Bäckermeister. Dadurch kam die Hübnerische Hofreite an die Familie Schaffnit. Von den 10 Kindern lebten nur Johann Martin II. Schaffnit (*1795, +1861), Sonnenwirt, Bäckermeister und Bürgermeister und Anna Maria Schaffnit.

Johann Martin II. Schaffnit heiratet 1818 in 1. Ehe Anna Catarina Lehr (*1800,+1831) aus dem Lehrschen Nachbarhaus Nr. 29 und 1832 in 2. Ehe Elisabeth Groh aus Fränkisch-Crumbach (*1810, +1874).

Deren Tochter Elisabetha Schaffnit (*1844,+1892) heiratet 1869 Heinrich Feick (*1845,+1896) aus Wersau und übernimmt die Wirtschaft in Brensbach, so dass die Hofreite in die Familie Feick übergeht, weil alle 6 Geschwister mit dem Namen Schaffnit im Kindesalter versterben.

Nur Johann Martin III. Schaffnit (*1822, +1878) heiratet Elisabeth Schäfer (*1821,+1908). Er übernimmt die Wirtschaft nicht, sondern wird Postillion und Gemeindeeinnehmer.

Die 2. Tochter (*1778 +1861) von Johannes Hübner heiratete Henrich Daniel Vogel, Ackersmann zu Mummenroth und starb auch dort.

Der Vater von Johann Leonhard Hübner, Johann Jacob Hübner, stammte aus Nieder-Kainsbach, heiratete am 17.02.1711 nach Brensbach Anna Justina Jung (*16.02.1696, +27.12.1743) und starb in Brensbach ( *9.09.1680, +8.06.1748 ) 5

1711 kauft Johann Jacob Hübner seinem Schwiegervater (Leonhard Jung, *21.07.1667, +31.01.1742 Brensbach) Haus, Scheuer und die ganze Hofraithe mit sammt den Gütern 1/2 echterischer Hof, 1/4 erbachisch wie es im Kaufbrief steht um 500 Gulden. 6

Am 23.06.1643 lebten nur noch 5 hessische und erbachische Untertanen in Brensbach: Leonhard Jung (Neubürger vom 30.11.1629 und Kirchenpfleger zu Brensbach, seit 1637 Kirchenältester, seit 1643 Cent u. Gerichtsverwalter, Vierrichter und Steinsetzer, seit 1651 gräfl. Erbachischer Cent-u. Vogteyschultheiß, von Beruf Bäcker, *um 1610, +14.04.1665), Peter Schäfer, Ewald Germann, Niclas Mörich und Niclas Meister.

1634 waren es in Brensbach noch zwischen 50 und 55 Familien, d.h. ungefähr um die 300 Einwohner gewesen. 7

Die ältesten Bauern-Hofreiten in Fachwerkbauweise von Brensbach im oberen, südlichen Teil des Ortes, Heidelberger Straße 25, 27 und 29 , die beiden erst genannten mit einem gemeinsamen Tonnen-Gewölbekeller, waren im Dreißigjährigen Krieg bereits nach 1634 zerstört, abgebrannt und verlassen, wurden dann langsam von den wenigen Überlebenden und Erben nach 1643 per Heyngerichtsbeschluss übernommen oder getauscht, wieder hergerichtet und bewohnbar gemacht.

Leonhard Jung kauft 1632 erbach. Haus und Garten von seiner Mutter für 250 fl. und kauft 1637 zu seiner ererbten Hofreite von Martin Hascherts Erben ein  Haus, Scheuer und ein erbachisch Gut für 120 Gulden. 8 Sein ältester Sohn, Nicolaus Jung, *1638, +1687, erbt das Erbachische Schultheißenamt und gibt es weiter an seinen Sohn Leonhard Jung, den Schwiegervater von Johann Jacob Hübner, der in das echterische Haus der Familie Jung einheiratete und es 1711 mit bereits erwähntem Kaufbrief erwarb.

Um 1800/1804/1811 wurden die ca. 150 Jahre alten notdürftig restaurierten Fachwerkhäuser wieder abgerissen und durch Fachwerkneubauten auf den massiven Gewölbekellern ersetzt.

Ab 1804 wurde der Schnellertsgeist in Brensbach nicht mehr wahrgenommen. 9

Im Haus Heidelberger Straße Nr. 27, Rittisch-Heune, hatten 1858 – 1869 Johann Martin II. Schaffnit (*1822 +1878) und Elisabetha Schaffnit geb. Groh eine Wirtschaft, die nach der Heirat der Tochter 1869 von Heinrich Feick und Tochter Elisabetha Schaffnit 1870 übernommen wurde. Heinrich Feick war Küfer, Zäpfer und Bierbrauer, welcher bis zu 100 Ohm jährlich braut. 10

Genau diese Familien-, Besitzer- oder Generationenfolge beschreibt Wilhelm Mohr aus dem Brensbacher Brandkataster von 1827 für das Haus Nr. 27: Familie Lehr/Schaffnit—-Familie Schaffnit—-Familie Feick —- deshalb kann die hübnerische Hofreite nur auf Hausplatz Nr. 27 gestanden haben:

Der Geisterzug des Schnellertsherrn zog im 18. Jahrhundert

durch die damals noch befestigte echterische Hofreite

Heidelberger Staße 27 ,

die zusammen mit Nr. 25 und Nr. 29 den ehemaligen

Adelshof derer von Brensbach bildeten.

  1. Karl Schäfer, Eulenspiegel im Odenwald, Brensbach, 1911
  2. Theodor von Haupt, Ährenlese aus der Vorzeit, 1816, S.291
  3. Rolf Reutter, Reichenb. Protokoll vom 20.Dez. 1758,  Schnellertsbericht 1982, S.11.
  4. Heiner Wolf, Ortsfamilienbuch Brensbach, genealogy.net2016
  5. Heiner Wolf, Ortsfamilienbuch Brensbach, genealogy.net2016
  6. Helmut Göttmann, Vogteygerichtsbuch 1576-1725 von Brensbach, Transcription 2008, S.487
  7. Helmut Göttmann, Vogteygerichtsbuch 1576-1725 von Brensbach, Transcription 2008, S.185
  8. Helmut Göttmann, Vogteygerichtsbuch 1576-1725 von Brensbach, Transcription 2008, S.180.
  9. Heinrich Zehfuß, Die Herren von Rodenstein nebst Sage von den Wandergeistern auf Schnellerts und Rodenstein, Darmstadt 1825, S. 57
  10. Wilhelm Mohr, Die ältesten Häuser und ihre Besitzer, Brensbach, 2005, S.79