Über die sagenumwobene Burg Schnellerts im Odenwald gibt es noch immer keine urkundlichen Hinweise. Ihr geschichtlicher Zusammenhang erschließt sich bisher nur aus archäologischen Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts und aus der Forschungsgeschichte des „Schnellerts“ seit dem 18. Jahrhundert.

Das Wilde Heer, der unsichtbare Geisterzug vom Schnellerts zum Rodenstein

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Der Schnellertsherr mit seinem Geisterheer auf dem Weg zum Rodenstein

 

Was dieser Ruine zu überregionaler Berühmtheit verhalf, ist die Sage vom mysteriösen „Schnellertsgeist“, der im Innern des Burghügels seine Behausung hat. Er zog mit seinem „Wilden Heer“ immer dann geräuschvoll und unsichtbar aus dem Schnellertsberg aus und durch die Lüfte, wenn dem Reich Gefahr drohte und kehrte erst dann wieder ebenso geräuschvoll zurück, wenn diese Gefahr vorüber war.

Sitz des Geisterheeres ist eindeutig der Schnellerts.

Erst 70 Jahre nach dem Aussterben der Rodensteiner (1671) und ca. 440 Jahre nach der Zerstörung der Burg auf dem Schnellerts entstanden 1742 mit den Reichenberger Protokollen die Sagen um das Geisterheer zwischen den beiden verfallenen Burgen. Vom damaligen Zeitgeist beflügelt, waren die Menschen für Wunder, Geister, Gespenster, Wahnglauben, Aberglauben, Spinnstubengeschichten und Ammenmärchen doppelt empfänglich.

Auch auf einem Schein des Crumbacher Notgeldes von 1921 wurde das „Wilde Heer“ hoch über Fränkisch-Crumbach, auf dem Weg vom Rodenstein zum Schnellerts dargestellt.

2. Juli 2018 Barbara Dittmann