Thomas Steinmetz, Schnellertsbericht 1986, S. 36-39.

Die Rekonstruktion der Schnellertsburg ist von großer Bedeutung für die Burgenforschung, wurde sie doch Ende des 14. Jahrhunderts zerstört und nicht wieder aufgebaut. Es bietet sich deshalb das unverfälschte Bild einer Burg des späten 14. Jahrhunderts.

Die vor 1240 erbaute und bis zur Zerstörung nur geringfügig veränderte Gründungsanlage war eine relativ kleine Burg mit polygonalem Grundriß bei maximal 56,50 m Durchmesser. Wie erst 1985 die Freilegungsarbeiten zeigten, ist die Ringmauer über siebeneckigem Grundriß erbaut; vorher waren nur sechs Ecken zu erkennen, entsprechend wurde der Grundriß rekonstruiert. Symmetrische Grundform, die auch der Verfasser dieser Zeilen im Schnellertsbericht 1985 zu belegen suchte, wurde offensichtlich nicht angestrebt.

Die Stärke der Ringmauer variiert zwischen 1,70 und 1,90 m, nimmt allerdings an der Südostseite bis auf 2,70 m zu. Ein Grund für diese ungewöhnliche Mauerstärke ist indessen nicht auszumachen, um eine Schildmauer handelte es sich dort auf keinen Fall. Die Mauertechnik ist für ihre Zeit ungewöhnlich einfach, um nicht zu sagen primitiv: innere und äußere Mauerschale sind aus einfachstem Bruchstein aufgeführt, bisher konnte nur an der Innenkante der Nordwestmauer eine grobe Schichtung der Steine festgestellt werden. Der Mauerkern besteht aus einem Gemisch aus Mörtel und kleinstteiligem Steinmaterial, der Mörtel in mittlerer Qualität. Während der Freilegungsarbeiten der Jahre 1981 und 1983 konnten an der Süd- und Südostecke die Ausbruchstellen von großen Eckquadern mit rund einem Meter Ansichtsfläche festgestellt werden. Vermutlich haben dort glatte Quader gesessen, von Buckelquadern fanden sich jedenfalls bisher noch keine Spuren. An der Südwestecke fehlte die Ausbruchstelle als Hinweis auf Eckquader; freilich war gerade dort das Mauerwerk sehr stark zerstört. Die Nordwestecke war abgerundet und wurde auch in dieser Art restauriert; es ist jedoch nicht auszuschließen, daß dort die Rundung mit zunehmender Höhe in eine spitze Ecke überging.

Das Tor der Burg befand sich in der Mitte der schmalen Westseite; das eigentliche Portal ist verschwunden, nur ein Torangelstein ist erhalten. Die Breite beträgt 2,60 m, könnte jedoch ursprünglich durch das Gewände etwas verringert worden sein. Spuren einer Zugbrücke fanden sich nicht, sie wäre auch durch die breite Berme vor der Ringmauer völlig sinnlos gewesen. Das Tor war vermutlich zweiflügelig, mit Sicherheit läßt sich das jedoch nicht behaupten. Die Türschwelle bestand offenbar aus Sandsteinplatten, konnte doch E. Anthes seinerzeit noch „unter dem Thor …einige zugerichtete Sandsteinplatten, zum Teil sehr beschädigt …” vorfinden. Heute ist lediglich noch die Bruchsteinunterlage der Türschwelle in situ vorhanden.

Die Torlösung der Gründungsanlage bestand nur aus den um zwei Meter zurückgezogenen Mauerenden; zu unbekannter Zeit wurde in sehr schlechter Qualität das Torhaus angefügt, dessen weitere Bauweise unbekannt ist.

Die Innenbebauung ist noch nicht vollständig geklärt, einige Gebäudereste wurden aber bereits ergraben.

Westlich der Nordecke lehnte sich ein größeres Fachwerkgebäude an die Ringmauer, das sich jedoch nicht bis zum Torhaus erstreckte. Es handelt sich nach den Funden um ein Wohngebäude mit einem Kachelofen. Die Dachdeckung bestand aus Hohlziegeln (Mönch-Nonne-Deckung).

In der Südwestecke lassen die Funde mit Sicherheit auf einen Pferdestall schließen. Große Mengen Keramik, zwei Spinnwirtel und nicht zuletzt die Sandsteine von dort (vor allem der romanische Gewändestein) legen jedoch auch nahe, hier ein Wohngebäude zu vermuten. Es ist somit anzunehmen, daß das Erdgeschoß des dortigen Gebäudes als Stallung, das Obergeschoß dagegen als Wohnfläche diente. Da keine Ziegel gefunden wurden, muß die Dachdeckung aus Schindeln o.ä. bestanden haben.

Ein weiteres Fachwerkgebäude mit Mönch-Nonnen-Deckung befand sich zwischen Süd- und Südostecke; seine Abmessungen sind wie die der anderen Gebäude unbekannt. Die relativ qualitätvollen Funde aus dem dortigen, erst 1985 angelegten Planum lassen es als wahrscheinlich erscheinen, daß es sich um das Hauptgebäude handelte. Zu ihm dürften auch die beiden drei Meter langen und einen Meter starken Mäuerchen gehört haben, die von Anthes ergraben wurden (siehe dazu seinen Plan), jedoch bisher noch nicht wieder freigelegt werden konnten.

Zwischen Torhaus und nördlichem Fachwerkgebäude sowie zwischen Stallungsbau und südlichem Fachwerkgebäude könnten sich Schuppen oder andere untergeordnete Bauten befunden haben; die geringen Grabungsfunde an diesen Stellen lassen keine eindeutige Rekonstruktion der nicht einmal ganz gesicherten dortigen Bebauung zu.

Der runde Bergfried an der Angriffsseite (Durchmesser 6,45 m, Mauerstärke 2,10 m) ist in die dortige jüngere Ringmauer eingebunden, allerdings durch Fuge von dieser getrennt. Wie bereits erwähnt, wurde er vermutlich erst bei der Wiederherstellung der dortigen Ringmauer errichtet. Sein Aussehen ist nicht zu rekonstruieren.

Revierförster Hoffmann will Mitte des 19. Jahrhunderts noch die „Spur eines Fundaments“ einer Quermauer gesehen haben, die an der Süd- und Nordecke ansetzte und die Burg in eine West- und eine Osthälfte teilte. Dem konnte seitens der FGS bisher noch nicht nachgegangen werden; sollte Hoffmanns Behauptung zutreffen, so müßte der Schnellerts als Ganerbenburg angesprochen werden (siehe dazu Schnellertsbericht 1983).

Die äußere Ringmauer – die Georg Schäfer in seinem Kunstdenkmälerband explizit erwähnt – ist archäologisch ebenfalls noch nicht nachgewiesen; E. Anthes versuchte dies vor 100 Jahren ohne Erfolg. Dagegen ließ Anthes an nicht genannter Stelle den Ringgraben ausheben, der nach seiner Feststellung mit Schutt verfüllt ist. Die ehemalige Tiefe des Grabens gibt er mit 3,50 m an, die „sehr steilen Böschungen” hervorhebend.

Die Burg auf dem Schnellerts wurde also vor 1240 als einfachste Anlage in primitivem Bruchsteinmauerwerk erbaut, Steingebäude und wahrscheinlich auch einen Bergfried entbehrend. In einer Ausbauphase, die wahrscheinlich nach der Zerstörung der angriffsseitigen Ringmauer erfolgte, wurden das Torhaus und vermutlich auch der runde Bergfried hinzugefügt. Die ergrabenen Fachwerkgebäude sind keiner Periode eindeutig zuzuordnen, scheinen aber noch der Gründungsanlage anzugehören, da sich keine älteren Gebäudereste fanden. Noch zur Zeit der Zerstörung der Burg, Ende des 14. Jahrhunderts, besaß diese lediglich Fachwerkgebäude.

E. Anthes: Der Schnellerts in QHV 1887, S.10 ff. Plan S.56 f.

E. Anthes: Der Schnellerts in QHV 1887, S.10 ff. Plan S.56 f.