Rudolf Kunz, Schnellertsbericht 1984, S. 26-33.

Jedes Dorf hatte eine besondere, auf seine Eigentümlichkeiten zugeschnittene Dorfordnung. Seit Ausgang des Mittelalters wurden diese Dorfordnungen (Weistümer) in der Regel schriftlich niedergelegt und festgehalten. Leider sind uns aus dem Bereich der Grafschaft Erbach und der Herrschaft Breuberg sowie aus dem oberen Gersprenztal fast keine überliefert. Es ist daher ein besonderer Glücksfall, daß im Gemmingen’schen Archiv zu Fränkisch-Crumbach eine Erneuerung der Dorfordnung zu Fränkisch-Crumbach aus dem Jahre 1684 aufgefunden werden konnte, die wir hiermit der Öffentlichkeit vorstellen wollen. Das von ungelenker Hand niedergeschriebene Schriftstück umfaßt 44 Seiten. Wir haben die Artikel, die ziemlich wahllos aufeinander folgen, neu gruppiert und wortgetreu, aber in heutiger Rechtschreibung, wiedergegeben.

Aus Zwischenbemerkungen ist ersichtlich, daß diese „Gemeine Ordnung“ schon im Jahre 1594 „aufs neue wieder aufgericht und bestätigt worden“ ist. Das damals noch vorhandene Original dürfte demnach vermutlich aus dem 15 . Jahrhundert stammen .

Im 30jährigen Krieg ist die Bevölkerung von Fränkisch-Crumbach mindestens zu 90% ausgestorben. Die wenigen Überlebenden beriefen sich bei Auseinander-setzungen im Haingericht, das an Martini (11.Nov.) regelmäßig zu tagen pflegte, auf diese alten Rechte und verteidigten sie gegenüber der nachgewachsenen Jugend und den zahlreichen Neuzugezogenen.

Im Jahre 1684 wurde deshalb die „Gemeine Ordnung wieder neu aufgericht und bestätigt und für gut befunden, alle Sachen besser und ausführlicher zu schreiben, dieweil die Alten nicht gar ausführlich geschrieben haben und die Jungen von den Alten doch noch alles erfahren haben, dieweilen bald lauter neue und junge Leute sind und bald jedwedem Ort einen anderen Namen und Gebrauch geben wollen. Damit wir aber bei den alten Rechten und Gebräuchen möchten bleiben, so haben wir es ausführlicher geschrieben.“

Drei Bauern Kupferstick

Drei Bauern Kupferstich von Albrecht Dürer. 1497/1498

Diese Dorfordnung bezieht sich nur auf Fränkisch-Crumbach, nicht auf, Bierbach, Güttersbach, Erlau, Michelbach und Eberbach. Diese Weiler hatten ihre eigenen althergebrachten Ordnungen.

Noch einige Bemerkungen zum Inhalt. Auch hier ist, wie sonst im Odenwald, auffällig, welche große Bedeutung der Viehzucht zugemessen wurde. Die Bestimmungen über das Weiderecht machen den Großteil dieser Dorfordnung aus. Erfreulich für die Weistumsforschung ist, daß auch in diesem Weistum das uralte Recht belegt ist, das die Gemeinde verpflichtete, bei jedem Hausbau das Bauholz unentgeltlich aus dem Bauernwald zu geben. Auffällig ist hier, daß schon 1684 der Gemeindewald so mitgenommen war, daß die Herrschaft „mit ihrem umfangreichen Waldbesitz einspringen mußte.“ Umfangreich ist auch die Allmende, die dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgeteilt wurde.

Dieser Dorfordnung ist ein Verzeichnis jener Ortsbürger beigefügt, die von ihren Häusern eine geringe Steuer (Zins) an die Gemeinde zu zahlen hatten; in der Regel deshalb, weil ihnen Sonderrechte in bezug auf Zäune, Backöfen etc zugestanden waren oder weil sie ihre Grenzen überbaut hatten. Wir bringen hier nur die Namen in der Reihenfolge der Umzählung, was zukünftig bei einer noch ausstehenden Erforschung der Häusergeschichte wertvoll sein könnte. 29 Namen sind aufgeführt von etwa 40 damals in Fränkisch-Crumbach ansässigen Familien, die Bewohner der heute zugehörigen Weiler ausgenommen. Danach hat das Dorf 1684 etwa 200 Einwohner besessen, was auch durch die Tatsache bestätigt wird, daß in jenen Jahren durchschnittlich 20 Kinder geboren und getauft wurden, wobei die Geburten aus den Weilern und aus Kirch-Beerfurth mitgezählt sind.

Dorfordnung zu Fränkisch-Crumbach

Anno 1684,  8. Januar

Ist das Buch der ganzen Gemein vorgelesen worden. Dieweil es aus dem alten Original und zum Teil verändert worden wegen gemeinen Weidgang und Hegweid und gemeinen Zins, (deshalb) das Gemeine-Buch auf das neu soll abgeschrieben werden. Und ist darbei vorbehalten worden, wo einer oder der ander darwider etwas zu reden hat, dem soll es erlaubt sein zu reden. Aber es hat sich niemand befunden, sondern alle sämtlich zufrieden gewesen.

1. Bauernwald und Allmende

Es haben die Nachbarn (=Gemeinsleute) einen eigenen Wald, an der Hart, anjetzo der Bauernwald genannt, ist ihr eigentümlicher Wald. Es haben auch die Nachbarn (=Gemeinsleute) eine Allman (=Allmende) und ein Bruch, ist auch ihr eigentümlich. Genannter Wald gehet vor der Hart am Hoffeld an und ziehet an Christoffel Benesch hinunter in den Gerstengrund auf Christoffel Groh neben hinaus zu Hannes Linder und Philipps Kroh und Nikolaus Kaffenbergers seiner Wiesen bis an die hinterste Schänkelsbach an Christoffel Grohen Wiesen und Acker, alsdann am Pfarr- oder Kirchenfeld hinauf über den Weg, der von Crumbach nacher Lichtenberg mitten durch den Wald gehet, an Johann Henrich Weber, hinunter gegen der Schleyersbach an Niklaus Ochsen, an Christoffel Grohen bis auf Hans Hellermann, herauf neben Simon Ehrenfeld und Christoffel Benesch, herum gegen dem Dorf an den gemeinen Viehtrieb, der aus dem Dorf in den gemeinen Wald gehet. Die Allman (=Allmende) gehet aus dem Dorf den Grund hinaus gegen Bierbach bis an Nikel Ochsen seine Wiesen. Gemeltes Bruch gehet an in der Springersbach an Philipp Jakob Langen von Güttersbach seiner Wiesen zwischen Christoffel Grohen und Hans Hellerman herunter gegen dem Dorf an das Hoffeld und Hans Georg Reichelers und Hans Henrich Webers ihre Wiesen.

2. Hausbau

So einer bauen will, der ein Nachbar ist, sei ihm aus gemeltem gemeinen Wald, es sei ein Schauer oder Haus, zu geben schuldig wie folgt: zu einem ganzen Haus ist man ihm schuldig zu geben 28 Stück (=Stämme) zu einem dreigiebeligen Haus, aber zu einem halben Haus (nur) halb so viel oder den halben Teil. Aber so einer ein alt Haus vorhin hat, gibt man ihm nicht mehr als 20 Stück; so der aber die 28 Stück für voll haben will, ist er der Gemein das (Holz vom) alten Haus schuldig zu geben.

Zu einer ganzen neuen Scheuer gibt man ihm nicht mehr als 21 Stück. Hat er aber vorhin eine alte Scheuer, gibt man ihm nicht mehr als 7 Stück. Will er aber obgemeltes Holz für voll haben, ist die alte Scheuer den Nachbarn verfallen.

Es geben auch die Nachbarn, so einer ein alt Haus will lassen bessern, die zwei äußersten Giebelschwellen.

Im Jahr 1670 hat sich die Gemein verglichen und für gut angesehen, daß sie hinfüro gemeltes Holz nicht mehr geben könnten, dieweilen gemelter Wald in Abgang kommen und die wenigen Bäume, die noch da sind, zu alt und zu dick sind und zu dem Bauen nicht mehr tüglich sind. Und so wir die übrigen (Eich-)Bäume gar abhüben, könnten wir nicht ein Schwein mehr in die Mastung (=Eckern) treiben, welches der Gemein dann großen Schaden brächte. Und die gnädige Herrschaft (Landgraf von HessenDarmstadt, Freiherr von Meerveldt, Herr von Haxthausen) anjetzo, welcher unter sie baut, Schwellen und Pfosten aus ihrem Wald aus Gnaden gibt.

Es hat aber die Gemein verwilliget zu einem, der allhier bauet, ein paar Stücker Holz zu geben, mag er es dann zu Schwellen oder Stückholz gebrauchen.So aber die Gemein mehr geben sollte, so muß es doch alle geschnitten werden. Was das Eichenholz anlangt, ist man nicht lauter Eichenholz schuldig zu geben.

Welcher ein Scheuer oder Haus bauet und von den Nachbarn einen Forst (?) begehrt, ist man ihm einen schuldig zu geben. Hingegen aber ist er von einem jeden Forstbaum den Nachbarn 1 Viertel Wein (=8 Liter) schuldig zu geben.

Zu wissen sei auch, wann einer zu einem Holz oder Scheuer Holz haut, ist das Unholz (=Abfallholz) den Nachbarn. Will er es aber bezahlen, ist er den Nachbarn 10 Schilling schuldig zu geben.

3. Farrenwiese

Es haben auch die Nachbarn eine Wiese, die Farrenwiese genannt, liegt am gemeinen Bruch, welche von dem gemeinen Bruch darzu gegeben werden, geforcht oben zu auf unsers gnädigsten Junkern, itzo aber an Freiherrn von Meerveldt seine Hofwiese, hinten zu auf die Bach und unten zu auf das Bruch, daraus sie genommen ist. Und ist zwischen der Hofwiese mit dreien Steinen wohl versteint, einem gegen der Bach und einem in der Mitten und einem gegen dem Weg, der nacher Erlau gehet.

4. Einzug

Es haben die Nachbarn auch einen Gebrauch: so ein Fremder Nachbar allhier wird, soll er der Gemeind zu Einzug geben 2 Gülden. Nimmt aber ein Fremder eines Nachbarn Kind, gibt er zu Einzug 1 Gülden. Sind sie aber beide Nachbarnkinder, gibt er den Nachbarn 1 Viertel (= 8 Liter) Wein. Anno 1628 auf Martini ist vor einer ganzen Gemeind der Einzug ersteigert (=erhöht) worden, daß wann ein Fremder will Nachbar hier werden, soll er der ganzen Gemeind geben 3 Gülden. Nimmt er aber eines Nachbarn Kind, gibt er halb soviel. Sind es aber beide Nachbarskinder, gibt er ein Viertel Wein den Nachbarn.

5. Garten-Allmend

Wann einer Nachbar wird, ist man ihm keinen Garten schuldig zu geben bis auf Martini, (dann) soll er bei der ganzen Gemeind darum anhalten und den Garten, so vorhin zu dem Hause gegeben (war), (erhalten).Und so ein Nachbar (aus dem Dorf) aufzieht oder gar ohne Erben stirbt, fällt derselbige Garten der Gemeind wiederum anheim.

6. Zusammenrufen der Gemeinde

Wann die gemeine Glocken geläutet wird, und aus dem Haus nicht eins erscheint, wann sie inheimisch (= anwesend) sind, soll derselbige der Gemeinde 18 Pfg. zur Straf verfallen sein.

Anno 1698 uff Martini ist bei der ganzen Gemein wieder für gut erkannt worden, alle diejenigen, so nicht zu rechter Zeit bei der Gemein erscheinen, wann es die gemeine Glocken läutet oder sich nicht sogleich entschuldigen lassen, sollen mit der Gemein Straf angezogen werden, wie das alte Her kommen ist, aus Ursach, weilen dies vergangen Jahr die Gemeinsleut gar schlecht zusammen gangen.*

7. Störung beim Gemeindetag

Es haben die Nachbarn diese Ordnung: so die Gemein in der Nachbarschaft beieinander ist, so einer, er sei auch wer er will, einen Fluch tut oder nicht schweigen will, der soll alsobald und so oft das geschieht, den Nachbarn zur Straf geben 6 Pfg. So er sich aber garnicht halten wird, haben ihn die Nachbarn zu strafen in vorgeschriebener Straf . Wann es aus Zorn geschieht und (mit heftigen) Worten, (haben) wir den Nachbarn geordnet, solche Flücher zu erkennen und zu strafen.

Bauer bei der Arbeit

Bauer bei der Arbeit, Holzschnitt von Hans Sebald Beham, um 1530.

8. Höhe der Strafe

Die Nachbarn haben zu strafen als die höchste Straf 30 Schilling, so einer die Treu an den Nachbarn verlieret oder der vorgemelten Waldung und Allmend und Bruch Schaden zufüget.

Es ist der Nachbarn ihr Straf als Nacht(einung), (Strafe für eine nachts begangene Tat), Buß oder ( gegenüber) Ausländischen 10 Schilling, aber gemeine Straf ist 5 Schilling.

9. Flurschaden

Wann ein Nachbar ein Saugfüllen mit sich laufen hat und in der Frucht Schaden tut, soll derselbig den Schaden bezahlen und der Gemeind verbüßen. Solches ist im Jahr 1618 von einer ganzen Gemeinde aufgerichtet und bestätigt worden.

10. Vieh vor den Hirten treiben

Anno 1627 ist auch von einer ganzen Gemeinde verglichen worden, daß ein jeder (Gemeinsmann) 1 Schwein verprinen (=Hirtenlohn dafür bezahlen) soll, er habe eins oder nicht, von Peterstag (22.Februar) bis wieder auf Petern. Dieweilen ein altes Herkommen, daß einer nach Jakobi (25.Juli), (wenn er) keine Schweine hat, keine darf kaufen und in die Eichelmastung (schicken). 1679 hat Ursula Lutzin 2 Schwein unter die Herd getrieben, sind ihres Sohns gewesen, aber es der Gemein nicht angekündet hat, derentwegen der Gemeind 10 Schilling Straf geben müssen, dieweilen er nicht hier gewohnet hat.

Bei dem Haingericht uff Martini hat sich die Gemein verglichen, daß ein Gemeinsmann, der gar kein Schwein hat, ist ihm erlaubt worden, 2 Schweine zu kaufen oder anzunehmen, um sie in die Eichelmast zu treiben. Diesen Punkt hat die Gemein zu mindern und zu mehren. 1673 hat eine ganze Gemeind einen Vergleich gehalten miteinander: so einer ein Stück Viehe aus der Pfrin (das der Hirt austreibt) verkauft oder vertauscht, darf er dafür ein anderes an dessen Stelle (vor den Hirten)treiben.

Ein Pfarrer, der allhier wohnet, hat nicht Macht, Schweine in unsern gemeinen Wald zu treiben, wie er will, sondern hat (früher) die Gemein mit guten Worten angeredet, so haben sie ihm 2 oder 3 Stück lassen mit hineingehen, so es gute Mastung hat. Solches haben wir auch gar wohl von den Alten erfahren.

Wann ein Stück Vieh 3 Tag in die Pfrin gehet oder gegangen ist, ist man schuldig, die Pfrin (=Hirtenlohn) dafür zu geben. Ein Pfarrer, welcher allhier wohnet, solle wegen seinem Vieh als Küh und Schwein zu verpfrinen (Hirtenlohn zu zahlen) schuldig gewesen.

1686 auf Martini ist von einer ganzen Gemeind verboten worden, daß hinfüro keines keine Geiß mehr unter den gemeinen Hirten treiben soll, dieweilen gnädige Herrschaft, es schon zweimal verboten, darzu ganz und gar von wegen der Waldung und niemand kein Baum oder Hag mehr aufbringen oder aufpflanzen kann. Es sind von alters auch allhie keine gehalten worden, deswegen weil (sie) ein Hirt zugleich nicht hüten kann. Aber anjetzo hat die Gemein erlaubt, 1 (Geiß) demjenigen zu treiben, der keine Kuh halten kann, auch auf gnädiger Herrschaft Gutheißen. *

11. Beisassen

So einer sich allhier aufhält für einen Beisitzer (= Beisaß), der muß der Gemeind des Jahrs geben 1 Reichstaler und darf kein Stück Vieh oder Schwein unter die Herd treiben, so es die Gemeind nicht haben will. Diesen Punkt hat die Gemein Macht zu mehren, auch zu mindern, als daß (=falls) einer ein Gewerb treibt.

12. Weiderecht auf Hofgütern

Es haben auch die jüngeren Hofleut die Gerechtigkeit, mit ihren Zugpferden auf dero Feld, wann das Korn oder Hafer darvon ist, 3 Tag darauf als auf dem Hoffeld zu weiden, alsdann hat die Nachbarschaft, darinnen zu hüten und mit läutenden Glocken aufzutun. In diesem Punkte hat die Herrschaft, so einer Haus hier hält, dann zu mindern oder zu mehren.

13. Häuser auf der Allmende

Es ist ein alter Gebrauch und Herkommens, so einer auf der Almann (=Allmende) verbaute Häuser oder Güter verkaufen tut, haben ihn die Nachbarn darin zu währen (= gerichtlich gutheißen). Hingegen muß derselbige den Nachbarn 2 Maß (= 4 Liter) Wein geben.

14. Bann- und Hegweide

Die erste Bann- und Hegweide geht an in den Baumgärten hinüber bis in die Springersbach an Philipp Langen von Güttersbach seiner Wiesen und forters bis an die von Michelbach und Straßen herab bis an die Fahrt bei der Heydelswiese.

So sollen solche Bann- und Hegweiden von den Schäfern gehegt (=geschont) werden, solang bis die Kühe die Weid durchgegangen; doch so man es nicht haben will, so muß man es bis auf Martini hegen (= Strohwisch aufstellen). So aber ein Nachbar eine Mastkuh oder Kalb hat, mag derselbige mit in die Bahn fahren. Obgemeldeter Baumgarten liegt im Gerstengrund unten neben der Etzwiese unten an dem Etzberg, und hat ihn anjetzo Philipp Schäfer (zu Michelbach) unter Händen.

Die andere Bann- oder Hegweide geht von dem Weingarten oder Burgwiesen fort fürters neben dem Hoffeld hinaus über den Grodenberg bis an den Galgengründ an Dietrichs Niklasen Birnbaum, solcher Baum ist itziger Zeit nicht mehr, aber Hans Henrich Weber hat solchen Acker unter Handen alsdann zieht es zwischen Christian Keyser und Philipp Schäfer in den Graben herunter bis auf die Alman, an der Allman hinauf bis in die Schleyersbach an Niklaus Ochsen seine Wiesen, auf der andern Seiten an der Allman herunter bis an Christoffel Grohen seinen Acker, fürters zwischen dem Hoffeld und Christoffel Grohen seinen Acker bis an das Pfarrgut, als dann hinunter an die Höllen an den gemeinen Viehtrieb.

Die dritte Bann- oder Hegweide gehet an in der Höllen bei dem gemeinen Viehtrieb bis auf die Hart am gemeinen Wald und fürters hinüber in den Gerstengrund auf Kühlmanns Acker, solchen Acker hat anjetzo Philipp Grohe unter Händen, und stoßt herzu auf Christoffel Grohen, fürters an Stoffel Grohen seinem Feld hinaus oben herum zwischen Christoffel Grohen und Nikel Ochsen ihren Acker hinüber, den Etzberg hinunter an den Baumgarten.

Bauer bei der Arbeit

Bauer bei der Arbeit, Holzschnitt von Hans Sebald Beham, um 1530

15. Aufsuchen der Weidsteine

Anno 1681 hat sich die Gemein verglichen und für gut angesehen, daß sie den Weidgang einmal begehen wollten und die Weidstein aufsuchen lassen, welches auch geschehen ist und aufsneue wieder versteinet worden. Und ist der 1.Stein gesetzt worden an den Beerfurthern, nämlich bei Beerfurth, wo der Mühlgraben nach der Klingersmühl und der Weg nacher Crumbach voneinandergehen im Eck und folgends die andern neben den Michelbachern hin bis auf die Landstraßen nacher Reichelsheim. ln dem Eck, wo der Pfad von Michelbach nacher Fränkisch-Crumbach gehet, da steht ein Eckstein, alsdann den Pad hinunter über Philipp Langen von Güttersbach seiner Wiesen steht der erste wieder, alsdann folget einer nach dem andern neben den Erlauern und Güttersbachern hin bis vornen in den Wald an dem Pfad, der von Crumbach nach Nonrod gehet. In Güttersbach da steht der letzte Stein, alsdann den Fußpfad hinauf bis bei Nonrod an die Grenze, alsdann die Grenze hinab bis in die Teufelshecke, welche anjetzo die Bierbacher unter Handen haben, aber in unserm Weidgang liegt. Nicht weit von der Wiesen, da steht ein Stein auf einem Buckel, dem folgen die andern gegen dem Kalkofen die Straßen hinab bis nahe bei das Gericht, da es dann auf die linke Hand gehet, den Grund hinunter bis auf das Dornmüllersgut. Und sind für diesmal in allem gesetzt worden 30 Stein von Beerfurth bis hierher.

16. Auftun der Wiesengründe

Die Wiesen von der Fahrt bis an die Burgwiesen sollen gehegt werden wie vor alters.

Die Wiesen sollen Jahrs, so die Ohmet daraus ist getan, soll der gemeine Hirt, so es die ganze Gemein mit einer Glocken auftut, mit ihren Gäulen fahren und weiden.

Aber es darf keiner dem andern in keine Wiese fahren mit seinem Zugvieh, bis der gemein Hirt hinein darf, so es einer nicht haben will. Es haben aber die Nachbarn Macht, auf ihren eigenen und bestandenen (= gepachteten) Wiesen mit ihren Pferden zu weiden, so es einem andern ohne Schaden geschieht. Mit den Kühen aber soll ziemliche Weid gehalten werden auf seinen bestandenen und eigentümlichen Gütern.

So haben auch die Fremden nicht Macht, ihre eigenen oder bestandenen Güter zu weiden, welche nicht in unser Gemeind gehören und ausländisch sind.

Die Müller, die in unserm Weidgang wohnen und in der Gemeind sind, haben nicht Macht, Vieh auszutreiben, sie treiben es dann unter den gemeinen Hirten ohne Schaden.

Die Unter-Kainsbacher dürfen die Wiesen, so über dem Steg bei der Stegmühl an ihren Äckern und in unserm Weidgang liegen und hierher gehören, mit ihren Pferden nicht betreiben, so der Grund aufgehet, dann sie bestehen (= pachten) es von uns. Dieses Jahr haben sie es für 10 Albus gehabt. Diesen Punkt hat die Gemeind Macht zu mindern und zu mehren. Kund und zu wissen sei auch, so das Vieh den Gersprenzer Grund auf- und abgehet, so muß es durch Wilhelm Wasenmüllers Hof über die steinerne Brücken über den Mühlgraben gehen, wann es keine andere Brücken kann haben auf seine Kosten, dieweilen vorher kein Hof dagewesen ist.

Es folgt nun ferner, wie die Wiesengründe nacheinander sollen aufgetan werden: alle Zeit auf Michaelistag (29. Sept).

Und zuerst gehet der Grund auf der Obergersprenz auf, nämlich von Beerfurth bis bei den Fußpfad oder Steg bei Unter-Gersprenz herunterwärts, soweit sich unser Weidgang erstreckt, 8 Tag lang. Zu wissen sei aber, wann das Zieglers über Winter gesäet ist, welches alle 3 Jahre geschieht, alsdann gehet es zu Michelstag von unten herauf bis nacher Beerfurth. Nachfolgend den Gerstengrund 8 Tag, hernach die Reigelwiesen von dem Mühlgraben bis an die Fahrt bei der Heiligenwiese, von der Fahrt an bis an das Dorf in die Burgwiesen 8 Tag. Nach der Rigelwiesen folgt die Burgwiese. So man es aber nicht haben will, muß man es hegen bis auf Martini (11.Nov.) von der Fahrt bis an das Dorf.

Die Wiesen in der Michelbach müssen gehegt werden wie die Burg- und Heiligenwiesen, so mans haben will. Und so soll es auch mit dem Grund nacher Erlau gehalten werden. Die Wiesen in dem Gerstengrund von der Etzwiese bis fürters hinaus bis an die Fahrt in der Hintern-Schenkelsbach sollen zum letzten aufgetan werden. Doch so Eicheln im Grund wären, soll man Maß darin halten, daß niemands kein Schaden geschieht.

In diesen Punkten von wegen der Wiesen Auftun haben die Nachbarn zu mindern und zu mehren, so sie einig sind und danach auch Wetter gewesen ist.

17. Einnahme an Zinsen 1684

  • Philipp Grohe 10 alb.
  • Christoffel Groh, Wagner, 7 Pfg.
  • Johannes Schmunck 6 alb.
  • Bernhard Schrön, Schulmeister, 6 alb.
  • Hans Bock 6 alb.
  • Adam Schärf 10 alb.
  • Henrich Klinger 5 alb.
  • Bastian Strupf 6 alb.
  • Barthel Franck 8 alb.
  • Zacharias Schmuan 12 alb.
  • Adam Hellermann 6 alb.
  • Hans Henrich Weber, Bender, 6 alb.
  • Hans Peter Weber, Schmied, 8 alb.
  • Jakob Flickinger, Hofmann, 6 alb.
  • Hans Linder, Feldscher, 6 Pfg.
  • Niklaus Ochs 3 alb. 2 Pfg.
  • Christian Keyser, Schneider, 1 alb.
  • Joh.Georg Reichler, Schreiner, 4 alb.2 Pfg.
  • Martin Bohn, Bergknappe, 2 alb.
  • Simon Ehrenfeld, Jäger, 3 alb.
  • Johannes Hellermann 1 alb.
  • Johann Simon Ripper 4 Pfg.
  • Friedrich Weber, Schneider, 1 alb. 4 Pfg.
  • Christoffel Benesch, Zimmermann, 4 Pfg.
  • Philipp Schäffer 1 alb.
  • Johann Philipp Lutz, Schuster, 1 alb.
  • Albert Dittmann 2 alb.
  • Johann Niklaus Kaffenberger (modo Johann Wilhelm) 1 Groschen
  • Wilhelm Wasenmüller, Müller, 7 alb.
Bäuerliche Not

Bäuerliche Not Holzschnitt des Petrarca-Meisters, 1519/ 1520

Anmerkungen:

Alle in Klammern gesetzten Ausdrücke sind Zusätze des Verfassers.

Die beiden mit * versehenen Absätze in der Dorfordnung sind Anfügungen aus späterer Zeit (s. Kap.6 : Zusammenrufen der Gemeinde, 2. Absatz und Kap.10 : Vieh vor den Hirten treiben, letzter Absatz).