Eine besondere Türkensteuer wurde erstmals dem Kaiser Maximilian I. (1493-1519) auf dem Reichstag zu Worms im Jahre 1495 von den Reichsständen genehmigt. Jahrzehnte später waren die Türken bis nach Ungarn vorgedrungen und hatten beachtliche Erfolge erzielt. Ofen (Buda) war 1541 in ihrer Hand. König Ferdinand belagerte vergeblich die Burg von Ofen. Sultan Suleiman war mit einem großen Ersatzheer im Anzug. Die Deutschen mußten Ofen räumen. Ein neuer Vorstoß der Türken auf Österreich und Wien rückte in den Bereich der Möglichkeit. Ein gefährlicher Türkenkrieg stand bevor. Für ihn mußten neue Truppen angeworben und das notwendige Geld beschafft werden. So kam es zur Erhebung der Türkensteuer im Jahre 1542.
Die Erhebung der „Türkenschatzung“ war Angelegenheit der Territorien, soweit sie in dem betroffenen Gebiet und den Dörfern die Obrigkeit besaßen. Das erhobene Geld wurde nach Wien abgeliefert.
Die beiden höchsten herrschaftlichen Beamten hatten die Erhebung der Steuer vorzunehmen. Amtmann Friedrich von Ratzenberg (= der Fritz von Ratzenburg des vorhergehenden Beitrags im SB 1984) und der Amtskeller Linhart Binder bestellten die Steuerpflichtigen zentweise, die dorfweise aufgerufen, vertreten und dann unter Eid aussagen mußten, wie hoch ihr Vermögen geschätzt wurde. lhre Aussage trug der Keller oder Amtsschreiber in das Steuerbuch ein. Dort steht dann beispielsweise zu lesen: „200 Gulden acht und scheczt sich Philip Halstein, thut 1 Gulden.“ Die Reihenfolge richtete sich nicht nach dem Alphabet oder der Größe des Besitzes, sondern nach der in dem betreffenden Dorf üblichen Umzählung. Man kann demnach feststellen, wer die Nachbarn waren und wie die Häuser sich aneinander reihten. Aus diesem Grunde haben wir in unseren alphabetischen Listen die Numerierung festgehalten. Bei solchen öffentlichen Steuererklärungen waren die Zentschöffen anwesend, die die Aussagen bestätigen konnten. Auf falsche Angaben waren (wie heute bei Steuerhinterziehung) schwere Strafen gesetzt.
Die Listen haben wir Ortsweise alphabetisch geordnet. Die Höhe des Steuerkapitals läßt, wenn sie 200 Gulden überschreitet, erkennen, daß der Betreffende wohlhabend und bei der ländlichen Bevölkerung in der Regel ein Hubenbesitzer war. Der Höchstbesteuerte der gesamten Herrschaft war Peter Arras aus Ober-Kainsbach, der 1000 Gulden Steuerkapital angab, demnach mindestens 3 Huben besessen haben muß. Zweithöchster war der Zentgraf zu Kirchbrombach mit 600 Gulden. Ihm folgten mit 500 Gulden Cuntz Birckart (Höchst) und Hans Friederich (Gumpersberg).
Steuerfrei waren die Adligen und die Beamten. Juden fehlen in der Liste; wenn sie vorhanden waren, wurden sie besonders besteuert. Schade, daß Berufsbezeichnungen in den Listen fehlen, dann wäre erkennbar, daß den Handwerkern ohne Grundbesitz für ihr ausgeübtes Handwerk ein Guldenbetrag von etwa 15-60 Gulden angesetzt wurde.
Der Steuersatz betrug in diesem Jahr 1542 0,5% (so auch in der erhaltenen Türkensteuerliste von Langwaden aus dem gleichen Jahr) . Auch die Dienstboten, die neben freier Kost und Unterkunft eine kleine Geldentlohnung erhielten, wurden besteuert. Die Höhe ihres Jahreslohns haben wir überall angegeben. lhr Steuersatz war höher, er betrug pro Gulden 1 Kreuzer (1 fl.= 60 Kreuzer.)
Herrschaftliche Höfe und Mühlen, auch wenn sie in Pacht gegeben waren, wurden nicht erfaßt.
Am 12.Juni 1542 wurde die Schatzung in der Höchster Zent vorgenommen, drei Tage später in der Brombacher und dann in der Lützelbacher Zent. Dann muß eine schwere Pestepidemie, von der wir bisher nichts wußten, ausgebrochen sein, so daß erst nach fast 10 Monaten die Schatzung im Bereich um den Breuberg fortgesetzt und zu Ende geführt werden konnte. Bemerkenswert ist, daß auch die Kirchengebäude und das Vermögen der Elenden-Bruderschaften zu Kirchbrombach und Sandbach, deren Existenz bisher nicht bekannt war, versteuert wurden. Da kurz darauf die Reformation eingeführt wurde, sind diese Bruderschaften bald aufgelöst worden. Vom Kloster Höchst wurden nur die Dienstboten und Arbeiter besteuert, ebenso auf der Burg Breuberg. Badstuben gab es in Vielbrunn und Neustadt.
Die Einzeldarstellung beschränkt sich aus Platzgründen auf die Zent Kirchbrombach. Dabei haben wir sowohl die Orte und Höfe innerhalb der Zent als auch die Einwohner innerhalb der Orte alphabetisch geordnet. Dadurch wird dem Familienforscher das Suchen erleichtert. (Die Familiennamen hat H.W. Debor bereits in der Hessischen Familienkunde Heft 6/1983 veröffentlicht.)
Aus der Zahl der Steuerpflichtigen läßt sich die Einwohnerzahl ungefähr abschätzen, wenn man diese mit 5 vervielfacht, ( z.B. Ober-Kainsbach hat 18 Steuerpflichtige aufzuweisen, demnach etwa 90 Einwohner. 1563 werden 16 Hübner und 1 Müller genannt, im Salbuch von 1574 sind es 19 Hübner und 2 Müller).
Die Pestepidemie muß schwer gewesen sein. Dies erkennt man daran, daß in den Zins- und Saalbüchern von 1554 und 1557 viele der hier genannten Namen nicht mehr erscheinen.
Nachfolgendes Verzeichnis der Türkensteuer wird im Staatsarchiv Wertheim aufbewahrt (Sign. G. 57 N, Schatzungen Nr. 4o).
Die Eintragungen erlauben uns die Aufstellung der Umrechnung der damals üblichen Geldeinheiten:
1 Gulden = 15 Batzen = 60 Kreuzer
1 Gulden = 4 Ort = 60 Kreuzer = 24 Albus
1 Batzen = 14 Pfennig
1 Albus = 8 Pfg.
1 Pfd.Heller = 120 Pfg.
Dunnerstag nach Nazary (15.Juni) hat sich die Brombacher Zent der Türckenschatzung angelegt und geschatzt Anno 1542.
1 . Affhöllerbach (Effhollerbach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 6 | Ares, Peter | 240 |
| 4 | Friederich, Hans | 46 |
| 5 | Friderich, Linhart | 80 |
| 2 | Herbert, Hans | 60 |
| 3 | Steff, Linhart | 100 |
| 1 | Wober, Niclas | 60 |
Keine Knechte oder Mägde. Türkensteuer insgesamt: 2 1/2 fl., 1 Ort, 10 1/2 Kreuzer, 2Pfg.
2. Birkert (Birckart)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 1 | Drinckauß, Cuntz | 40 |
| 3 | Drinckauß, Hans | 120 |
| 2 | Halstein, Hans | 80 |
| 4 | Scholl, Linhart | 120 |
Linhart Scholl beschäftigt einen Knecht (2 fl) und eine Magd (20 alb). Türkensteuer insgesamt: 1 1/ 2 fl, 1 Ort, 6 Kreuzer.
3 . Böllstein (Belstain)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 1 | Bock, Linhart | 50 |
| 5 | Mosch, Hans | 70 |
| 3 | Reg, Christman | 60 |
| 2 | Reg, Hans | 50 |
| 4 | Reg, Linhart | 100 |
Keine Knechte oder Mägde. Türkensteuer insgesamt: 1 1/ 2 fl, 9 Kreuzer.
4 . Gersprenz (Gerspenntz)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 1 | Aras, Michel | 400 |
| 2 | Clinger, Hans | 90 |
| 3 | Schwebell, Michel | 250 |
Keine Knechte oder Mägde. Türkensteuer insgesamt: 3 1/2 fl, l2 Kreuzer.
5.Gumpersberg (Jumpersberg)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 4 | Friederich, Hans | 500 |
| 2 | Grobin, die | 120 |
| 1 | Mohet, Ewolt | 120 |
| 3 | Weitmaul, Hans | 400 |
Hans Weitmaul hat einen Knecht (1 fl, 3 Ort), Hans Friederich zwei Mägde (3 Pfd. Heller, 20 Albus).
Türkensteuer insgesamt 5 1/2 fl, 11 Batzen.
6. Hembach (Haimbach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 3 | Reg, Linhart | 140 |
| 1 | Thaum (Daum), Wendel | 120 |
| 4 | Guntter, Raupß( =Ruprecht ) | 120 |
| 2 | Wirtenberg, Hensel | 120 |
Je einen Knecht halten Wendel Thaurn(4 fl), Hensel Wirtenberg (1 fl) und
Linhart Reg (1 fl), dazu Mägde Wendel Thaum (2 fl) und Hensel Wirten berg* (1 fl, 10 alb).
Türkensteuer insgesamt zu Hembach: 2 1/ 2 fl, 9 Kreuzer, 2 Pfg.
(* Hensel Wirtenberg ist möglicherweise der Vater der Böllsteiner Selbstmörderin).
7. Höllerbach (Hollerbach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 4 | Beckin, die | 15 |
| 3 | Chilgin (Kilges Frau) | 100 |
| 8 | Friederich, Linhart | 400 |
| 6 | Keller, Hans | 40 |
| 2 | Lang, Clos | 16 |
| 1 | Pfeüffer, Linhart | 65 |
| 7 | Schoffer, der | 32 |
| 5 | Starck | 400 |
Kilges Frau (10 alb) und Linhart Friderich (2 fl) halten eine Magd. Türkensteuer insgesamt: 5 fl, l Ort, 5 1/2 Kreuzer, 6 Pfg.
8. Kirchbrombach (Kirch Brombach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 7 | Arres, Lenchen | 400 |
| 3 | Bock, Peter | 100 |
| 5 | Drinckauß, Hans | 200 |
| 21 | Gefurt zu Brombach | 300 |
| 16 | Heilmann, Hans | 300 |
| 6 | Huckner, Hans | 100 |
| 12 | Leeb, Niclas | 300 |
| 9 | Luncia( ?)Schultheißin | 15 |
| 4 | Rege, Niclaus | 110 |
| 13 | Reichert, Hans | 51 |
| 18 | Schmit, Ewoltt | 30 |
| 8 | Schmidt, Hans | 45 |
| 19 | Schmidt, Peter | 130 |
| 2 | Schultheiß, der | 150 |
| 15 | Seitz, Ewolt | 160 |
| 17 | Sitz, Wendell | 200 |
| 20 | Sunbeyndell, Ewolt | 66 |
| 11 | Wober, Quntz Kind | 100 |
| 14 | Wober, Hans | 50 |
| 10 | Woher, Peter | 155 |
| 1 | Zentgraf, der | 600 |
(1Pfd.Heller) und Niclas Leeb (1 fl), eine Magd hält Hans Drinckauß (10 alb).
Türkensteuer insgesamt: 17 1/2 fl, 1 Ort, 2 Pfg.
9. Langenbrombach (Langen Brombach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 21 | Breunig, Linhart | 50 |
| 8 | Cunckel, Lenchen | 200 |
| 5 | Facius | 100 |
| 10 | Friderich, Hensell | 50 |
| 9 | Friederich, Niclas | 200 |
| 4 | Gelpff, Linhart | 125 |
| 16 | Gelpff, Martin | 50 |
| 6 | Halstein, Linhart | 100 |
| 13 | Lang, Niclaus | 16 |
| 1 | Leeb, Bernhart | 180 |
| 18 | Liß, Bastian | 240 |
| 15 | Liß, Steffan | 50 |
| 2 | Muller, Baltasar | 80 |
| 12 | Reheg, Niclaus | 80 |
| 22 | Schoffer, der | . |
| 11 | Schüßlers, Hans Vormund | 10 |
| 19 | Schuß(l)er, Linhart | 70 |
| 7 | Seitz, Glos | 80 |
| 3 | Thaum (Daum), Hans | 250 |
| 14 | Weitz, Michel | 8 |
| 20 | Warneßer, Wendel | 100 |
| 17 | Woltz, Merten | 150 |
Linhart Halstein hat einen Knecht (2 Pfd.Heller), Linhart Gelpff eine Magd ( 1 Gulden). Türkenschatzung insgesamt: 11 fl, 12 Kreuzer, 2 1/2 Pfg.
10. Ober-Kainsbach (Ober Kinßbach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 6 | Ares, Peter | 1000 |
| 15 | Ares, Veltin | 120 |
| 7 | Closmann, Hans | 400 |
| 8 | Closmanns, Hans Dochter | 400 |
| 11 | Eberlin, Mathes | 200 |
| 1 | Germann, Hans | 250 |
| 18 | Hertell, Hensell | 110 |
| 13 | Klotzell, Hans | 100 |
| 3 | Knellg, Linhart | 350 |
| 14 | Laupff, Hans | 100 |
| 16 | Schamann, Hans | 200 |
| 10 | Schofferknecht, die zwen | 30 |
| 2 | Scholl, Linhart | 250 |
| 9 | Schüßler, Linhart | 300 |
| 4 | Trinckauß, Hans | 150 |
| 12 | Weiners, Jost Kind | 100 |
| 5 | Wilgen | 100 |
| 17 | Wober, Hans | 100 |
Knechte haben Hans Germann (2 1/2 fl), Hans Trinckauß (2 fl), Peter Ares (7 alb) und Hans Closmann (6 fl).Letzterer hat auch einen Knaben (10 alb). Mägde dienen bei Linhart Scholl (2 fl), Linhart Knelg (1 fl), Hans Trinckauß (2 fl), Peter Ares (1 fl, 3 Ort) und Herckell (1 fl).
Türkensteuer insgesamt zu Ober-Kainsbach: 21 1/2 fl, 7 Kreuzer, 4 Pfg.
11. Ober-Kinzig (Ober Kintzigk)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 3 | Arers, Cuntz | 450 |
| 8 | Brun, Hensell | 150 |
| 5 | Friederich, Elß | 150 |
| 4 | Friderich, Linhart | 200 |
| 11 | Friderich, Philips | 400 |
| 1 | Hermer, Glos | 100 |
| 7 | Hübner, Linhart | 200 |
| 10 | Kreuslers, Linhart Kind | 88 |
| 12 | Mehers, Niclas | 450 |
| 9 | Schneider, Peter | 300 |
| 13 | Schoffer, der | (15) |
| 6 | Scholl, Hans | 300 |
| 2 | Scholl, Niclas | 100 |
Hans Scholl hat einen Knecht (14 alb).Mägde dienen bei Linhart Friderich ( 1 fl), Hans Scholl (1 fl, 23 alb), Peter Schneider (3 Pfd.Heller; seine kleine Magd erhält 9 Albus), Philips Friderich (2 fl).
Türkensteuer insgesamt: 14 1/2 fl, 9 Kreuzer, 1 Pfg.
12 . Wallbach (Walbach)
| Nr. | Zuname, Vorname | Kapital (in fl .) |
|---|---|---|
| 2 | Clotzell, Linhart | 20 |
| 1 | Gelpff, Hans | 200 |
| 3 | Germann, Niclas | 30 |
| 9 | Herbert, Niclas | 50 |
| 6 | Hollers, Hans Kind | 20 |
| 8 | Hollerrnann, Hans | 100 |
| 5 | Inßmeher, Peter | 140 |
| 7 | Schneider, Peter | 40 |
| 4 | Schnelbecher, Hans | 60 |
| 10 | Schnelbecher, Hans | 50 |
| 12 | Schnelbecher, Peter | 20 |
| 13 | Susselmeiers Kind | 32 |
| 11 | Thunbeudell, Mertin | 60 |
Hans Hollermann hat eine Magd (1/ 2 fl) Türkensteuer in Wallbach insgesamt: 4 fl, 13 Kreuzer, 2 Pfg.
Summa Summarum gemelter Dorff in Brombacher Zennt Türkenschatzung macht in einer Summa 93 fl, 1 Ort, 6 Kreuzer, 1 1/2 Pfg.
Comments by H. W. Debor