Georg Dascher, Schnellertsbericht 1980, S. 36-37.

Wer den in den Sommer- und Herbstmonaten noch so aktiv und tatkräftig zupackenden Dipl.-Ing. Henner Schneider auf dem Schnellerts erleben durfte, konnte die Nachricht von seinem plötzlichen Tod kaum fassen.

Der nach 40 Dienstjahren erst 1977 in den Ruhestand getretene Obervermessungsrat hatte gerade den von ihm in den Sommermonaten 1980 erstellten Höhenschichtenplan des Schnellertsberges der Forschungsgemeinschaft übergeben, als ihn die unzureichenden Einmessungen des Beerfurther Schlößchens veranlaßten, auch dort für die Denkmalspflege verwendbare Einmessungen vorzunehmen. Diese Arbeit sollte er nicht mehr vollenden dürfen.

Henner Schneider wurde am 13. März 1914 in Marburg an der Lahn geboren und dort ist er auch aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte er in Bonn Vermessungswesen.

Studium und Ausbildung wurden durch Ableistung des aktiven Wehrdienstes und Einberufung zum Kriegsdienst unterbrochen.

Als Oberleutnant der Artillerie erlebte Henner Schneider den Zusammenbruch des Dritten Reiches und trat am 11.06.1945 in Wetzlar in den Staatsdienst. Von hier 1956 zum Kulturamt Darmstadt versetzt, wurde ihm 1973 die Oberleitung des in Ober-Kainsbach 1968 eingeleiteten Flurbereinigungsverfahrens übertragen, das von ihm mit Umsicht und Sorgfalt geleitet und abgeschlossen wurde.

In diese Zeit fällt auch die nähere Begegnung mit der Ruine auf dem Schnellerts.

Als sich 1974 zum ersten Mal Stimmen zur Erhaltung der Ruinenreste erhoben, hat Henner Schneider seine Hilfe mit all den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zugesichert. Er wurde Mitbegründer der Forschungsgemeinschaft Schnellerts und war nicht nur als Vermessungsfachmann im Ruinenbereich tätig. Noch ein paar Tage vor seinem Tod half er, gerade von einer längeren Urlaubsreise zurückgekehrt, tatkräftig beim Räumen schwerer Steinbrocken und erfreute die Anwesenden mit den von ihm gewohnten Anekdoten.

Seit Jahren besaß Henner Schneider mit seiner Frau in Affhöllerbach eine Zweitwohnung als Ausgangspunkt ausgedehnter Wanderungen. Man konnte den beiden in den entlegensten Teilen des Odenwaldes begegnen. Hervorragende Aufnahmen historischer Stätten, der Tier- und Pflanzenwelt waren das Ergebnis solcher Wanderungen.

Als Mitglied des Vereins von Altertumsfreunden im Regierungsbezirk Darmstadt pflegte Henner Schneider freundschaftlichen Kontakt zum ehemaligen Leiter des Amtes für Bodendenkmalspflege. Für ihn übernahm er 1972 die Vermessung der ausgegrabenen ehemaligen Wasserburg Stein an der Weschnitzmündung ebenso, wie später die Vermessungsarbeiten auf dem Schnellerts.

Sein selbstloser Einsatz, sein lauteres Wesen sichern dem verdienstvollen Manne Respekt und Anerkennung.