Thomas Steinmetz, Schnellertsbericht 1984, S. 5-7.

Ziel der Kampagne 1984 war wie üblich zunächst die Konservierung eines größeren Zuges der inneren Ringmauer. Diesmal sollte das noch fehlende Stück zwischen Bergfried und südöstlicher Ringmauer in einen wetterbeständigen Zustand versetzt werden, womit zwar bereits 1983 begonnen worden war, was jedoch aus verschiedenen Gründen in jenem Jahr nicht zu Ende geführt werden konnte.

Hufeisen stark verrostet

Hufeisen stark verrostet

Nach der Räumung des gröbsten Schuttes stellte man überraschenderweise fest, daß die Mauerstärke der Ringmauer an der Ostseite, also vor dem Bergfried, lediglich 1,80 m beträgt‚ während die südöstlich anschließenden Mauerzüge bis zu 2,70 m stark sind. Die bislang häufig gebrauchte Bezeichnung „Schildmauer“ ist somit nicht gerechtfertigt. Eigentlich müßte man gerade an dieser Stelle die stärkste Befestigung erwarten, handelt es sich doch um die potentielle Angriffsseite.

Die Freilegung der äußeren Mauerschale an der Ostseite erbrachte eine weitere Überraschung: zwischen Südostecke und der Höhe des Bergfrieds sitzt die Ringmauer auf einem merkwürdig vorspringenden Mauerzug auf, der seinerseits auf dem gleichfalls vorspringenden Fundament ruht. Der Sockel zwischen Ringmauer und dem breiteren Mauerzug besitzt maximal 20 cm Breite, wird aber in Richtung Bergfried stetig schwächer.

Eiserne Schnelle alle Teile verrostet

Eiserne Schnalle alle Teile verrostet

Da dieser Sachverhalt bis Mai 84 unbekannt war‚ wurde die Südostecke der Ringmauer, die bereits 1983 konserviert worden war, unrichtigerweise auf dem äußeren, breiteren Mauerzug gegründet. Jedoch ist der Arbeitsgruppe in dieser Sache nichts vorzuwerfen, denn an der stark zerstörten Südostecke war 1983 außer der später hochgezogenen keine weitere Mauerflucht zu erkennen. Eine Erklärung dieses Mauerzuges ist bislang noch nicht mit Sicherheit möglich; ein normales‚ lediglich stark verbreitertes Fundament liegt hier sicherlich nicht vor, dafür ist die Mauertechnik zu aufwendig. Außerdem würde ein Fundament parallel zur Ringmauer verlaufen. Nicht zuletzt ruht ja der entdeckte Mauerzug auf einem Fundament, wozu also zwei an dieser Stelle? Am wahrscheinlichsten handelt es sich hierbei um die Reste einer älteren und anscheinend auch stärkeren Ringmauer, die nach einer Zerstörung (gewaltsam?) über verändertem Grundriß wieder erbaut wurde. Es sei hier darauf hingewiesen, daß der runde Bergfried der Burg auf dem Schnellerts mit knapp 6,50 m Durchmesser ungewöhnlich klein ist. Türme mit solch schlanker Gestalt wurden im süddeutschen Raum Ende des 13. und im Laufe des 14. Jahrhunderts errichtet. Es sei daher die Vermutung gewagt, daß – vorausgesetzt‚ die Theorie von der zweiperiodigen Ringmauer erweist sich als richtig – der runde Bergfried erst mit der Errichtung der jüngeren, also der heutigen Ringmauer erbaut wurde. Die Tatsache, daß der Bergfried die heutige Ringmauer zwar stark tangiert, jedoch durch eine Fuge von ihr getrennt ist‚ unterstützt obige Vermutung, denn sie spricht für eine gleichzeitige Erbauung von Turm und Ringmauer. Bemerkenswerterweise fanden sich im schlecht erhaltenen Mauerkern zwischen Bergfried und Südostecke Reste von Brandlehm und geringer Ziegelbruch, beides anscheinend als Überrest früherer Bauten im Mörtel untergemischt.

Messer verrostet mit Holzresten

Messer verrostet mit Holzresten

Durch die Freilegung der inneren Mauerschale dieses Mauerzuges werden hoffentlich genauere Aussagen in dieser Sache ermöglicht. Die Restaurierung dieses Ringmauerabschnittes erfolgte in bewährter Form, allerdings wurde die äußere Mauerschale hier nur geringfügig erhöht‚ um den stark zertrümmerten Zustand dieses Mauerteiles (durch Beschießung?) beizubehalten.

Parallel zu den Arbeiten an der Ringmauer wurde an der Innenkante der Südostmauer ein größeres Planum angelegt. Hier stieß man alsbald auf die eindeutigen Reste eines abgebrannten Fachwerkgebäudes, das bereits während des Hügelquerschnittes im Jahre 1978 angeschnitten worden war. Die Umrisse und damit die Ausdehnung des abgebrannten Fachwerkgebäudes konnten leider bislang nicht festgestellt werden. Es ist zu hoffen, daß dies in den nächsten Jahren gelingen wird.

Truhenschloß stark verrostet und verbogen

Truhenschloß, stark verrostet und verbogen

Es fand sich – wie vor Jahren an der Nordseite – Ziegelbruch von Mönch-Nonnen-Deckung‚ der sich teilweise zu größeren Bruchstücken oder sogar zu ganzen Ziegeln zusammensetzen ließ. Zahlreich waren auch Brandlehmbrocken; ein Exemplar wies noch beide Kanten auf‚ seine Stärke von 10 cm ist ein Hinweis auf die Wandstärke dieses Fachwerkgebäudes‚ die demnach 10 cm betragen hat. Die Keramikfunde weichen nicht von denen der vergangenen Kampagnen ab, bemerkenswert sind einzelne Scherben von verzierter Ware‚ die noch einer gesonderten Bearbeitung bedürfen. An Metallfunden kam die ungewöhnliche Zahl von 19 Armbrustbolzen und Pfeilspitzen zutage, darunter recht großkalibrige Exemplare, die von einer stationären Groß-Armbrust stammen könnten. Ein kleines Messer‚ zwei Hufeisen und ein eisernes Türschloß gehören gleichermaßen zu den bemerkenswerten Funden des Jahres 1984.