Georg Dascher, Schnellertsbericht 1980, S. 38.

Hammerknauf - Steinaxt

Hammerknauf – Steinaxt

Die Anhäufung der in den letzten Jahren bekanntgewordenen Funde steinzeitlicher Werkzeuge im oberen Gersprenztal und im Kainsbachtal lassen die allgemein verbreitete Meinung, daß die Menschen jener Zeit hier nur auf ihren Jagdzügen dieses Gebiet berührten, zweifelhaft erscheinen.

Reinhard Ihrig fand im Herbst 1980 in seinem Wildgehege am Fuße des Schnellerts, dicht am Bachlauf des Stierbacher Grundes ein sorgfältig bearbeitetes kleines Steinbeil, dessen Scharfschliff Hochachtung abnötigt. Im oberen Kainsbachtal fand sich am Westhang des Heidelberges vor einigen Jahren im Wurzelwerk eines Strauches ebenfalls ein sehr sorgfältig bearbeitetes Steinbeil von 9 auf 3 cm Länge. Von etwa der gleichen Stelle kamen zwei weitere, dem im Stierbacher Grund gefundenen sehr ähnlich, von denen das eine durch Verkauf an einen Händler verschollen ist. Auch im Zehntviertel bei Untergersprenz wurden zwei Steinbeile geborgen. Eine sehr schöne Hammerknauf-Steinaxt vom Hexenberg bei Fränkisch-Crumbach wird im dortigen Museum verwahrt. In Wersau kam vor Jahren beim Kanalbau ebenfalls ein Steinbeil ans Tageslicht und 1970 wurde nahe vom Weiler Hippelsbach eine 11, 2 cm lange Hammeraxt gefunden und dem Museum Dieburg übergeben.

Die hier im Sichtkreis des Schnellerts durch Zufall bekannt gewordenen Funde an Werkzeugen von Menschen der Steinzeit schließen nicht die von Sebastian Schwarz in Lengfeld mit ein, der es zu seiner Lebenszeit auf eine Sammlung von annähernd 300 Stück gebracht hatte.

Schwarz hat die als „Donner“ – oder „Gewitterkeile“ in den Bauernhäusern des Odenwaldes über Generationen zum Schutz gegen Blitzschlag verwahrten Steinbeile oft mit List, aber auch gegen klingende Münze in seine Sammlung eingebracht. Einige davon stammten ebenfalls aus dem oberen Gersprenz- und dem Kainsbachtal. Die Vielzahl der Funde aus diesem Gebiet kann nicht als Hinterlassenschaft umherziehender Jäger- und Sammlerhorden gewertet werden. Hier müssen in der Zeit zwischen 4000 – 1900 v.Chr. Ackerbau und Viehzucht treibende Menschen in dorfartigen Siedlungen gelebt haben, zu deren Jagdbereich möglicherweise auch der Felssporn auf dem Schnellerts gehörte.

 

Steinbeil

Steinbeil