Thomas Steinmetz, Schnellertsbericht 1980, S. 32-35.

Als das Reichskloster Fulda im Jahre 766 von König Pippin die königliche Mark Umstadt („Villa Autmuntistat“) zum Geschenk erhielt,“ dürften sich die Befestigungsanlagen in unserer Gegend auf einige Königshöfe und Überreste der römischen Limes-Befestigungen, die sicherlich auch teilweise noch in nachrömischer Zeit weiter benutzt wurden, beschränkt haben. Zu dieser, ab 766 fuldischen Mark Umstadt gehörte anscheinend auch die Umgebung des heutigen Kirch-Brombach, denn der „Branbach“ wird 815 als Grenze der Mark Michelstadt genannt. 1)

Es ist durchaus möglich, daß Fulda nach dem Erwerb der „Villa Autmuntistat“ auf dem südlichsten Zipfel dieses Gebietes eine befestigte Anlage errichtete, die wohl in erster Linie Verwaltungszwecken diente.

Für eine solche Befestigung bot sich das Gelände der heutigen evangelischen Pfarrkirche von Kirch-Brombach geradezu an, denn diese sogenannte unechte Hanglage (der Sporn wird von einem höheren Berg überragt) ist für karolingische Anlagen typisch, man denke nur an den fränkischen Königshof in Heppenheim, an der Stelle der heutigen Stadtschule.

Es ist jedoch wahrscheinlich, daß diese fuldische „Burg“ in Kirch-Brombach keine reine Wehranlage, sondern eher ein befestigter Gutshof war.

Freilich fehlt für diesen vermuteten Hof ein jeglicher Beweis, nähere Erkenntnisse können wohl nur Zufallsfunde bringen. Urkundlich wird erstmals 1329 eine Burg Brambach erwähnt, als sie vom Abt Heinrich VI. von Fulda den Erbtöchtern Eberhards III. von Breuberg, nämlich Elisabeth ( v. Wertheim) und Luckardis (v. Eppstein) zum Erblehen gegeben wird. 2)

Im gleichen Jahr kommen die Lehen des verstorbenen Arros von Breuberg, unter anderem die Burg Branbach, über dessen Tochter Mechthild an Conrad III. v. Trimberg. 3)

Im Jahre 1357 werden Brombach, sowie alle dazugehörigen Rechte, also auch die Burg, je zur Hälfte Eppstein und Wertheim zugesprochen. 4) Die letzte Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahre l368, als Eberhard von Eppstein seine Schlösser Eppstein, Breuberg, Ortenberg, Steinheim, Stockheim, Brombach, Homburg v.d.H. und Cleeberg der Stadt Frankfurt öffnet. 5)

Diese urkundlich nur im 14. Jahrhundert vorkommende Burg Brombach ist sicherlich nicht mit dem vermuteten alten fuldischen Gutshof identisch. Vielmehr scheint es sich um eine neuere, der damaligen Befestigungstechnik entsprechende Anlage gehandelt zu haben, worauf auch die Erwähnung von 1368 schließen läßt; neben so bedeutenden Burgen wie Eppstein, Breuberg oder Homburg v. d. H. wäre bestimmt keine veraltete Herrenhofanlage zu Kirch-Brombach im Odenwald aufgeführt worden.

Es scheint sich also tatsächlich um keine unbedeutende Anlage gehandelt zu haben, worauf auch bestimmte Mauerreste hinweisen. (siehe später). Erbaut wurde die Anlage wohl Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts von den Herren von Breuberg, auf dem eigentlichen fuldischen Grund und Boden. Der bedeutendste Vertreter dieses Geschlechts, Gerlach von Breuberg, dürfte sicherlich die erforderlichen Mittel zu einem solchen Unternehmen besessen haben.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam der eppsteinische Anteil an Kirch-Brombach nach und nach an Erbach-Fürstenau; 6) wahrscheinlich wurden nach diesem Besitzerwechsel die nun bedeutungslos gewordenen Burggebäude abgebrochen, um Platz für einen großzügigen Kirchenneubau zu schaffen. Die Ringmauer der Burg wurde aber anscheinend weiterhin instandgehalten. (3. später).

Gedanken zur Baugeschichte von Burg und Kirche:

Die etwa um 1470 erbaute jetzige Kirch-Brombacher Pfarrkirche (am Turm ist die Jahreszahl 1467 eingemeißelt) ist mit Sicherheit nicht das erste Gotteshaus an dieser Stelle; von einem Vorgängerbau zeugt noch eine am Chor eingemauerte Spolie, die ins 12. Jahrhundert datiert wurde. 7) Die Pfarrei selbst dürfte sogar schon im 11. Jahrhundert gegründet worden sein. 8)

Es bestanden also zumindest im 14. Jahrhundert Burg und Kirche gleichzeitig an derselben Stelle, entstammten aber sicherlich nicht der gleichen Erbauungszeit.

Die größte in dieser Arbeit behandelte Frage ist die, ob denn dieser vermutete frühmittelalterliche Hof des Klosters Fulda tatsächlich vorhanden war. Die Klärung dieser Frage würde mit Sicherheit eine große Rolle für die Baugeschichte von Burg und Kirche spielen. Da es aber nur sehr schwer möglich sein wird, diese Hof-Theorie zu beweisen, bzw. zu widerlegen, sollen hier zwei verschiedene Theorien zur baugeschichtlichen Entwicklung des Burg-Kirchen Mechanismus erläutert werden. Erstere geht von der angenommenen Tatsache aus, daß der vermutete Hof tatsächlich existierte, die zweite nimmt das Gegenteil an.

1) Das Reichskloster Fulda errichtete in karolingischer oder ottonischer Zeit als Mittelpunkt der südlichen Mark Umstadt am Platz der heutigen Pfarrkirche einen befestigten Gutshof. Dieser Hof besaß sicherlich auch eine Kapelle für Verwalter und Bedienstete. Im Laufe der Zeit, als sich die Siedlung allmählich vergrößerte, wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhöht. lm Zuge der Machterweiterung der Herren von Breuberg im 13. Jahrhundert wurde der veraltete fuldische Hof größtenteils abgerissen und durch eine zeitgemäßere Befestigung, nämlich die urkundlich im 14. Jahrhundert vorkommende Burg Brambach, ersetzt. Die Kirche war jedoch weiterhin in die Anlage mit einbezogen.

2) Im 11. Jahrhundert entstand als weitere Pfarrei der Mark Umstadt St. Alban in Kirch-Brombach. (Siehe B. Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains, 1966, S. 40 ff.) Im 13. Jahrhundert wurde diese Kirche, oder bereits eine Nachfolgerin, mit einem Mauerring umgeben, innerhalb dessen auch verschiedene profane Wohn- und Wirtschaftsgebäude Platz fanden. Somit war keine richtige Burg, sondern eine Art Kirchenburg entstanden, wie sie in Franken noch heute zahlreich anzutreffen sind.

Reste der Burganlage:

Während über die Geschichte der Burg Brombach schon verschiedene Veröffentlichungen vorliegen, unterließen es deren Verfasser, sich einmal genauer nach eventuellen Resten der Burg umzuschauen. Meist heißt es, daß im letzten Jahrhundert noch Mauerreste vorhanden gewesen sein sollen (Georg Schäfer: die Kunstdenkmäler des Landkreises Erbach, 1891).

Die Kirche und der diese umgebende Kirchhof werden von einem noch vollständig erhaltenen Mauerring umschlossen, der zumeist als Überrest der Kirchenbefestigung interpretiert wird. 9) Dieser Mauerring ist zwar teilweise für Gebäude benützt, jedoch läßt sich die Mauerstärke noch an mehreren Stellen ermitteln: die Stärke der Mauer beträgt an der Nord- und Ostseite l, 50 m, an der Westseite sogar 2, 20 m, während an der südöstlichen Ecke lediglich siebzig oder achtzig Zentimeter vorliegen. Für Kirchenbefestigungen, deren Mauern selten die Stärke von einem Meter erreichten, ist dieses Mauerwerk unverhältnismäßig stark, denn Kirchenburgen und Wehrkirchen sollten nur vor plötzlichen Überfällen Schutz bieten. Außerdem legte man keine kostspieligen Befestigungen neu an, wenn noch ältere, oder auch nur Teile solcher vorhanden waren. Vielmehr dürfte man in einem solchen Falle die erhaltenen Teile der älteren Befestigungsanlage für die eigenen Erfordernisse ausgebaut haben.

Dies geschah in Heustreu, nahe Neustadt an der Saale; als das dort ansässige Adelsgeschlecht ausstarb, übernahm der Ort dessen Wasserburg und errichtete inmitten dessen eine Kirche. Somit war ein Adelssitz zur Kirchenburg umgebaut worden. (Nach Kolb: Wehrkirchen und Kirchenburgen in Franken, Würzburg 1977).

Ähnlich wird es sich Anfang des 15. Jahrhunderts in Kirch-Brombach zugetragen haben, was auch im Interesse der Landesherren lag, denn durch die weitere Instandhaltung der Burgmauern wurde auch weiterhin der Schutz der Bevölkerung garantiert. Es ist daher wahrscheinlich, daß zumindest die stärkeren Mauerteile an der West-und Nordseite Überreste der Ringmauer der einstigen Burg Brombach sind. Die schwachen Partien im Südosten mögen später hinzugefügt oder erneuert worden sein. Die Burganlage scheint sich aber nicht nur auf das Gelände des heutigen Kirchhofes beschränkt zu haben, denn im letzten Jahrhundert sollen unter neueren Häusern noch alte Mauern vorhanden gewesen sein, 10) von denen möglicherweise einige noch heute vorhanden sind. Desweiteren wurden bei dem im Jahre 1963/64 erfolgten Umbau des Pfarrhauses, welches direkt unterhalb des Kirchhofs liegt, alte Grundmauern entdeckt, die möglicherweise ebenfalls von der Burg herrühren. 11) Die Gebäude des nahegelegenen „Burghofes“ scheinen ebenfalls auf mittelalterlichen Fundamenten zu stehen. Ende des letzten Jahrhunderts sollen noch Wälle und Gräben der Burganlage zu sehen gewesen sein. 12)

Aussehen der Burg:

Wie die oben erwähnten Fundamentreste zeigen, muß es sich bei der Burg Brombach um eine nicht gerade kleine Anlage gehandelt haben. Der abgebildete Plan aus dem Jahre 1750 gibt den eigentlichen Kern der Anlage, der in der Kirchhofsmauer noch erhalten ist, wieder. Dieser ursprünglich natürlich bedeutend höhere Mauerring war wahrscheinlich an der Innenseite mit allerlei Gebäuden bebaut, die jedoch sicherlich Platz für einen Wehrgang ließen. In der Mitte der Anlage stand wohl die Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche und vermutlich ein als Bergfried und Glockenturm dienender Turm. Wirtschaftsgebäude, Ställe, Scheunen etc. gruppierten sich wahrscheinlich um diese Zentralanlage; zu diesen Nebengebäuden, oder zu dem sie umgebenden Mauerring mögen die beim Pfarrhaus aufgefundenen Mauerreste gehört haben. Somit war also auch anscheinend eine größere Vorburg vorhanden.

Anmerkungen:

  1. Karl-Heinz Winter, Burg Brombach, in: „Die Heimat“, 1974, Nr. 1
  2. W. Becher: Etwas über die alte Zent Kirch-Brombach, in: Schnellertsbericht 1979, S. 9 ff.
  3. J. Wagner: das Schloß zu Kirch-Brombach, in: Archiv für Hessische Geschichte . Nr. 12, 1868/69, S. 604 ff.
  4. wie Anmerkung 1
  5. ebenda
  6. ebenda
  7. Walter Hotz: Die Kirche zu Kirch-Brombach, München u. Berlin 1971, S. 4
  8. B. Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains, 1966, S. 40 ff.
  9. wie Anmerkung 7
  10. Karl-Heinz Winter: Burg Brombach, in: Die Heimat, 1974, Nr. l
  11. ebenda
  12. Georg Schäfer: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Erbach, 1891, S. 149