Philipp Buxbaum, Schnellertsbericht 1979, S. 34.

nach Peter Weber IX aus: Ortschronik von Ober-Kainsbach, bearbeitet von Vermessungsrat Ph. Buxbaum 1955

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts brachte eine Darmstädter Zeitung einen Artikel über eine geheimnisvolle Musik, die man nachmittags um drei Uhr auf dem Schnellerts hören könne. Der Posthalter von Brensbach erbot sich als Führer an. An einem schönen Sonntag kam eine Anzahl Herren aus Darmstadt mit der Post nach Brensbach, speiste bei dem Posthalter und ging unter dessen Führung zum Schnellerts und lagerte sich im Gras unter einer Eiche bei dem alten Ziehbrunnen. Die Gesellschaft bekam Durst und man wollte jemand nach Ober-Kainsbach zum Schnellertswirt um Getränk schicken. Da kam eine Kutsche des Posthalters mit Bier, Wein und Eßbarem an, was hochwillkommen war.

Da kamen aus der Tiefe wunderbare Klänge und Melodien. Nur einer war mißtrauisch und schrie: “Zum Donnerwetter, das gibt es doch nicht, das muß untersucht werden, dem muß ich auf den Grund kommen!“ Da ertönte ein dumpfer Donnerschlag und die Musik verstummte. Der Mißtrauische suchte vergebens die nähere Umgebung ab, stieß aber auf einen verfallenen unterirdischen Gang, der nach seiner Meinung unmöglich zugänglich war.

Der Posthalter sagte, daß der Gang zu einem großen Weinkeller führe, aber seit langem völlig verschüttet sei. In dem Keller würde viel Wein lagern. Die Faßdauben seien längst verfault, der Wein aber lagere in seiner eigenen Haut. Gelegentlich wolle er einmal nachgraben lassen.

Des Posthalters Kutscher ging zu seinem Wagen, holte eine Ziehharmonika und Spielte darauf. Als nun alles ausgetrunken und aufgegessen war, kehrte die Gesellschaft nach Brensbach zurück und fuhr mit Extrapost nach Darmstadt. Am nächsten Tag kam der Musiker Jakob Schäfer von Ober-Kainsbach zu dem Posthalter, erhielt den vereinbarten Gulden für sein wohlgelungenes Spiel in einer hergerichteten, gut verdeckten Felsspalte und noch eine Zulage an Getränk. Beide hatten ein gutes Geschäft gemacht.