Michael Fettel, Schnellertsbericht 1979, S. 27-29.

1) Geologisch—petrographische Situation.

Der Schnellerts gehört geologisch zur „Böllsteiner Gneis – Kuppel“. In den zentralen Teilen besteht die nach beiden Seiten verflachende ± N-S gestreckte Hochfläche der Böllsteiner Kuppel aus vergneisten Granodioriten (GD) mit eingelagerten „Gabbros“; zu den Rändern hin schließen sich vergneiste Granite (G) an. Diese zentralen Gneise werden am Ost- und besonders am Westrand von einem Schiefersaum (ms) begrenzt und eingehüllt (“Schieferhülle“). Das Massiv bildet also eine einheitlich-schalenförmige Kuppelstruktur.

Es enthält heute die ältesten Gesteine des kristallinen Odenwaldes, mit Annäherungsaltern von 400 Millionen Jahren für die Gneise (Lippolt et al. 1976) Das bedeutet, daß die Böllsteiner Gneise schon als metamorph überprägter Komplex vorlagen, ehe der übrige kristalline Odenwald als Teil des „Variskischen Gebirges” vor rund 370 Millionen Jahren zu entstehen begann.

Nach dem Gesteinsverband bestehen folgende Altersverhältnisse: In schon verschieferte Sedimente (ms) dringen GD ein und lockern diese unter Bildung von Feldspäten auf; das Ganze wird dann, besonders in der Grenzzone ms/GD durch jüngere granitische Nachschübe (G) nochmals durchbrochen und verschweißt. (vgl. Nickel-Fettel 1979, 175).

2) Die Gesteine des Schnellerts.

Der Schnellerts ist ein Ausschnitt der Westflanke der Böllsteiner Kuppel und zeigt die geschilderten Verhältnisse recht deutlich: am Fuß steht ms an, im Anstieg und auf der Höhe Granitgneis (G), nach Böllstein zu Granodioritgneis (GD).

Die Schiefer (ms) bestehen als feldspatarmen Glimmer- bzw. Quarz-Glimmerschiefer, aus Quarz-Muskovitglimmer-Biotitglimmer mit etwas Granat und wenig Feldspat. (Orthoklas, Plagioklas). Sie liegen nicht in geschlossenem Verband, sondern werden von feinkörnigem Granitgneis durchadert.

Granitgneis bildet die Hauptmasse des Schnellerts; auf der alten geologischen Karte (Chelius 1897) ist er als „GR2 – jüngerer, streifiger Granit“ dargestellt.  Die heutige Bezeichnung Granitgneis soll sowohl den stofflichen Inhalt („Granit”) als auch Aussehen und Entstehung (” -gneis“) ausdrücken.

Das helle Gestein in leicht rötlichem Ton besteht aus Quarz-Orthoklas und Muskovit und enthält etwas weniger Biotit und Plagioklas als der GD-Gneis. Granat ist stets vorhanden, der Kieselsäuregehalt liegt um 75 %. Der rötliche Ton wird durch fein verteilten Hämatit (Roteisen) hervorgerufen. Es ist auffallend lagig-streifig ausgebildet, hervorgerufen durch die parallel geschichtete Anordnung der Glimmer, hellen Muskovit bzw. dunklen Biotit. Diese Anordnung wirkt sich besonders im angewitterten Zustand in einer bevorzugten Spaltrichtung des Gesteins aus.

Dunkler Granodiorit-Gneis (GD) steht im südöstlichen Teil bis Böllstein an. In seinem Stoffbestand ist er dem G ähnlich, enthält aber wesentlich mehr Biotit und Feldspäte, dafür weniger Kieselsäure (um 60%).

Die übrigen Gesteine der Böllsteiner Kuppel (Amphibolite, Ultrabasite, Hösbachite) treten im Bereich des Schnellerts nicht auf, sollen deswegen auch nicht näher beschrieben werden.

Recht häufig finden sich Pegmatite, die im Gneis entweder scharf begrenzte Gänge oder schlierig-wolkige Partien bilden. Sie bestehen im wesentlichen aus Quarz-Kalifeldspat-Muskovit und Biotit, die alle ganz grobkörnig ausgebildet sind, „Riesenkorngestein“. Manchmal kommen die für Sammler interessanten Mineralien Turmalin, Granat und Beryll hinzu, so am Hirschert, Hohenstein und Fuchsestein bei Ober-Kainsbach.

3) Die Gesteine des Burgmauerwerks.

Die bisher freigelegten Mauerteile bestehen im wesentlichen aus einem Gesteinstyp, zu dem hin und wieder mal ein „Sandstein“ tritt. Das helle, manchmal rötliche Gestein ist relativ einheitlich feinkörnig und auffallend streifig; die Mauersteine sind scharfkantig, nur gelegentlich völlig abgerundet.

Dieses Gestein entspricht dem Granitgneis (G), der wegen seines recht hohen Quarzgehaltes gegen Verwitterungseinflüsse widerstandsfähig ist, schon diese Eigenschaft prädestiniert ihn als Baustein. Hinzu tritt die gute Spaltbarkeit, einmal entlang der Schieferung, dann aber auch in zwei weiteren Richtungen. Nicht zuletzt ist auch seine recht einheitliche Farbe für seine Verwendung als Baustein maßgebend.

Nebenbei, diese Eigenschaften werden auch heute noch genutzt: Der entsprechende Granitgneis vom Weichberg bei Affhöllerbach wird bevorzugt als Pflasterstein verarbeitet – im rund 35 km entfernten Sonderbach bei Heppenheim. Seine Eigenschaften wiegen die Transportkosten auf.

Die Herkunft des Gesteins läßt sich nach Aufschlüssen nicht zweifelsfrei rekonstruieren, doch spricht vieles dafür, daß es aus nächster Nähe stammt: Die Mauersteine sind fast unbearbeitet, sondern so vermauert, wie sie gebrochen wurden. Der Maurer sagt: der Stein hat kein Gesicht. Gelegentlich zu sehende Rundung weist darauf hin, daß wenigstens diese Partien der Verwitterung ausgesetzt waren, bevor sie vermauert wurden; sie könnten den nach außen gewandten Bereichen von Felsklippen entsprechen, die durch Frostsprengung abgerundet wurden; eine für unsere Klimabereiche typische Form anstehender Felsklippen. Solche Felsklippen stehen auch heute noch im Bereich des Schnellerts an. Da sie aus demselben Granitgestein bestehen, wie der gesamte Schnellertskomplex, ist es sehr wahrscheinlich, daß solche Klippen als zutage anstehende Steinbrüche dienten. Jedenfalls ist es wahrscheinlicher, als die mit viel mehr Anstrengung verbundene Anlage eines unter die Erdoberfläche reichenden Aufschlusses zur Steingewinnung. Auch ist nicht einzusehen, warum irgendwo in der Umgebung Steine gebrochen und mühselig zur Höhe transportiert werden sollten, wenn dort leicht abzubauende Felsklippen anstehen.

Sollte die Anlage weiterer Grabungsflächen ein relativ einheitliches Niveau des Felsuntergrundes im Burgbereich nachweisen, ist es sogar wahrscheinlich, daß anstelle der Burg früher eine Felsklippe stand, die als Steinbruch diente.

Der Sandstein ist feinkörnig und rot gefärbt, manchmal mit Lagen von abgerundeten Geröllen aus Quarzkörnern. Er ist aber so wenig charakteristisch, daß er keiner der im näheren Bereich anstehenden Sandsteinformationen, etwa dem unteren Buntsandstein (su) der „Haingrube“ östlich des Hohenstein, zugeordnet werden kann.

Literatur:

Chelius, C. (1897) Geologische Karte des Großherzogtums Hessen. Mit Erläuterungen. Blatt Brensbach. Darmstadt1897

Lippolt, H. J., Baranyi, I., Raczek, I. (1976) :Rb-Sr chronology of Orthogneisses in the eastern Odenwald und southern Spessart/ Germany (ECOG IV. Kogr. 1976, abstr. 65)

Nickel,E., Fettel,M, (1979) Odenwald. Sammlung Geologischer Führer, Band 65. Bornträger, Berlin-Stuttgart 1979