Ilse Krüger, Schnellertsbericht 1979, S. 26.

Ehrenjungfrauen, Fahnen und Festreden – so prächtig wie 1851 feiern wir heutzutage unser Schnellertsfest nicht. Aber in den drei Jahren ist etwas gewachsen, von dem wir alle gehofft hatten, daß es so sein würde: Ein Volksfest, bei dem Junge und Alte zusammensitzen, bei dem Nachbarn und Freunde sich begegnen und miteinander reden, bei dem jeder in Muße sein Bierchen trinkt, lacht, schwätzt und sich an den alten Volksliedern freut.

Das dörfliche Leben ist arm geworden an gemeinschaftlichen Festen, die man früher, als man noch viel abgeschiedener lebte und sich noch viel mehr schinden und plagen mußte, um so lebhafter feierte. Kindtaufen und Hochzeiten waren Ereignisse, an denen das ganze Dorf teilnahm (und das manchmal tagelang), im Winter traf man sich in der Spinnstube; die alten Leute, um den neuesten Dorfklatsch auszutauschen, die Jungen, um ihre Späße zu treiben, zu musizieren, anzubandeln und – natürlich – zu spinnen und zu stricken.

Heute sinken der von der Feldarbeit kreuzmüde Bauer, die von Kindern, Haus – und Stallarbeit erschöpfte Bäuerin am Abend vor den Fernseher; die Jungen setzen sich am Wochenende ins Auto und fahren „auf die Musik“, die nicht mehr das unschuldige Tanzvergnügen von einst ist, sondern Diskotheken-Gedröhn, daß noch am nächsten Tag die Ohren taub sind. Aber ich glaube, langsam fangen die Menschen an, etwas zu vermissen: Gemeinsamkeit, menschliche Wärme, Gespräche. Deshalb ist unser Schnellertsfest keine Eintagsfliege, kein hübscher Einfall, der sich nach kurzer Zeit totgelaufen hat. Wenn die Tische unter den schattigen Buchen aufgestellt werden, die Haardfinken ihre Lauten und Gitarren stimmen, dann kommen sie alle wieder aus den Dörfern rund um den Schnellerts; die Alten und die Jungen, die Kinder, die Einsamen und die Geselligen, die Lauten und die Stillen, und es wird Gelächter und Musik sein, die Würste werden wieder auf dem Grill brutzeln, das Kaffeewasser brodeln und der Kuchen süß und verlockend duften. Und so wird es sein im nächsten Jahr und im übernächsten und alle Jahre wieder.