Georg Dascher, Schnellertsbericht 1979, S. 23-25.

Zwei vor der Jahrhundertwende am Fuße des Schnellerts geborene Odenwälder (1) erinnern sich übereinstimmend, daß auf dem Burgplatz der Ruine Schnellerts ein Aussichtsturm stand, der um 1906 zusammenstürzte. Mit einer um 1900 im Handel angebotenen Ansichtskarte ist Aussehen und Konstruktion dieses Turmes überliefert.

Die aus der Karte mit Motiven aus dem Kainsbachtal heraus vergrößerte Zeichnung des Turmes auf dem Schnellerts zeigt die um 1850 gepflanzten Ahornbäume noch recht klein und deutet Mauerwerk an, das ältere Besucher der Ruine „mannshoch“ in Erinnerung haben. Die Beschriftung der Zeichnung verrät außerdem, wer bei der Namensgebung des Turmes Pate (2) stand. Die „Reinheimer Volkszeitung“ hat Einzelheiten über Entstehen und Einweihung des Turmes überliefert. Unter dem 10. September 1891 kündigt sie ein „Volksfest auf dem Schnellerts an:

„. . . Der Central-Ausschuß des Odenwald-Klubs (3) versendet soeben die nachstehende Einladung mit Festschrift zu der am 13. d. Mts. stattfindenden Einweihung des neuerbauten Aussichtsthurmes auf dem Schnellerts. Der Thurm, von Herrn Ingenieur Bonacina – Darmstadt entworfen, wird uns wohl hinsichtlich der Konstruktion und Ausführung als auch wegen der von dem historischen Schnellerts gebotenen prächtigen Fernsicht als durchaus gelungen bezeichnet. . . . “

Da sich nach Meinung der Zeitung „zweifellos ein fröhliches Volksfest auf dem Schnellerts abspielen wird“, empfiehlt sie ihren Lesern den Besuch und gibt das Festprogramm bekannt:

  1. Die Festteilnehmer versammeln sich bis 1 Uhr mittags in Nieder-Kainsbach.
  2. Um 1 Uhr präcis Festzug von da mit Musik auf den Schnellerts.
  3. Übergabe des Thurmes durch den ausführenden Zimmermeister an den Vertreter des Central-Ausschusses. Einweihungsrede des Letzteren und Antwort des Vertreters der Gemeinden Stierbach, AffhölIerbach mit Kilsbach.
  4. Besteigung des Thurmes. Zur Deckung der Kosten der Einweihungsfeier (Musik etc.) wird an diesem Tage von den, den Thurm Besteigenden ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. erhoben.
  5. Musik- und Gesangsvorträge.
  6. Gesellige Vereinigung in den Wirtschaften beim Thurm.

Das von der, Zeitung prophezeite „fröhliche Volksfest“ hat aller Erwartungen übertroffen, sodaß sie unter dem 14. September 1891 ihren Lesern folgenden Bericht vorlegen konnte:

Von der Empfehlung mögen in den nachfolgenden Jahren einige Tausend wanderfreudige Odenwaldbesucher Gebrauch gemacht und bei guter Sicht ein eindrucksvolles Erlebnis mit auf den Heimweg genommen haben.

Leider war dem 10 m hohen aus Holzbalkenwerk konstruierten Turm keine lange Lebensdauer beschieden, sodaß er schon nach 15 Jahren wieder zusammenbrach.

Das sollte dem weiteren Besuch der sagenumwobenen Ruine auf dem Schnellerts jedoch keinen Abbruch tun. Der 1882 in Erbach gegründete Odenwaldclub hatte zu dieser Zeit schon einen Weg von der Bergstraße zum Main markiert, der als Hauptwanderlinie 10 bis auf den heutigen Tag sehr vielen Menschen den Weg zum Schnellerts zeigte.

Anmerkungen und Quellen:

  1. Philipp Meyer, geb. 19. 3.1896 zu Nieder-Kainsbach, Balthasar Jöckel, geb. 11.07.1902 zu Stierbach
  2. Albrecht Ohly, geb. 27.12.1829, gest. 20.12.1881.Von 1874 bis zu seinem Tode Bürgermeister zu Darmstadt. Gründer der dortigen Sektion des Odenwaldklubs und Vorsitzender des Central-Ausschusses dieser Wandervereinigung.
  3. Vorstand der damals bestehenden Sektion Schnellerts des Odenwaldklubs.
Ruine Schnellerts mit "Olythurm"

Aussichtsturm, „Olythurm“ von 1891 – 1906 auf dem Schnellerts.