Norbert Fischer, Schnellertsbericht 1979, S. 5-8.

Das in der Kampagne 1978 schon untersuchte nördliche Torhaus-Fundament konnte damals nicht mehr in seinem vollständigen Grundriß vorgefunden werden. Aus diesem Grunde wurde die Rekonstruktion bis zur festgestellten Baufuge vorgenommen und stufenförmig abgebrochen.

In der Grundrißzeichnung (vgl. Grundriß der Toranlage) konnten von der Osthälfte der südlichen Mauerschale nur noch 6 Steine eingemessen werden, die zweifelsfrei in der Mauerflucht lagen. Von der nördlichen Mauerschale wie auch vom Mauerkern konnten keine eindeutigen Befunde mehr aufgenommen werden.

Auffällig waren zwei vorgefundene Sandsteine, die ihrer regelmäßigen Form und den Bearbeitungsspuren nach als Steine in Zweitverwendung angesehen werden müssen. Die arbeitsintensiven Sandsteinteile werden in Erstverwendung vornehmlich an Mauerkanten eingesetzt.

In der Profilzeichnung (vgl. Profilzeichnung nördliche Torzange, Ostteil, Südprofil) ist deutlich die Baufuge sichtbar. Aus bisher unbekannten Gründen müssen irgendwann die Bewohner der Burg es als notwendig erachtet haben, das Torhaus zu vergrößern. Die Mauerergänzung wurde jedoch nach Osten hin nicht fundamentiert. Die Unterkanten der im Ostteil noch sichtbaren Schalenmauersteine lagen ca. 0,5 m höher als die entsprechenden Steine im Westteil.

In der Kampagne 79 wurde die äußere Mauerschale der Nordwestmauer bis zum vorhandenen Fundament freigelegt. Wieder mußten besonders große Schäden festgestellt werden, weil die Außenseiten der Ringmauer für die Steinräuber der Vergangenheit sehr leicht zugänglich waren. (vgl. Seitenansicht Nordwestmauer, äußere Mauerschale). Die Eingriffe der Steinräuber störten die Spannung des ehemals lagerfesten Steinverbandes, was zu teilweisen Verschiebungen der Mauerflucht durch Erd- und Frostdruck führte.

Grundriß der Toranlage und Nordwestmauer

Deshalb ist von der Fundamentoberkante in der Grundrißzeichnung nur wenig zu sehen. (Vgl. Grundriß der Toranlage und Nordwestmauer). Die Mauerstärke betrug im aufgehenden Mauerwerk 1,8 bis 1,9 m.

Noch im Herbst 1979 konnte die Nordwestmauer gesichert und sparsam rekonstruiert werden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wurde die Mauerabdeckung unregelmäßig gestaltet, um den Ruinencharakter zu bewahren.

Im Zuge dieser Arbeiten mussten die Fugen der schon früher gesicherten Mauerteile nachträglich bestochen werden, um größere Frost- und Witterungsschäden zu verhüten.

Beim Freilegen der Nordwestmauer konnte im Osten ein Profil gewonnen werden, das wertvolle Beobachtungen über die an die Mauer stoßenden Erdschichten zuließ (vgl. Profilzeichnung der östlichen Begrenzung beim Freilegen der äußeren Mauerschale der Norwestmauer). Die Humuszone, 0,3 bis 0,6 m dick, ist durchsetzt mit Steinversturz und Mörtelresten. Sie wird unterlagert von einer braunen Erdschicht mit einer Mächtigkeit von 0,12 bis 0,3 m. Während die Humuszone ein Gefälle von Maueroberkante bis zur heutigen Bermenoberfläche von 0,9 m aufweist, fällt die braune Erdschicht nur um 0,6 m ab. Mörtelbröckchen sind bis in Höhe der Fundamentoberkante zu beobachten. Bis 0,5 m unter dem Niveau der Fundamentoberkante liegt eine Auffüllschicht aus  kleineren Bruchstücken des rotvioletten „Böllsteiner Streifengranits“.

Der darunter anstehende Fels ist fest und in der schmalen Kontaktzone mit dem Mauermörtel fest verbacken. Auf der Maueraußenseite ist somit kein Arbeitsgraben festzustellen gewesen. Dort haben die Burgbauer “gegen Erde gemauert“. Somit bekommen humose Einfüllungen, wie sie auf der Mauerinnenseite zu beobachten waren, eine neue Bedeutung. Zum endgültigen Beweis muß deshalb auf der Mauerinnenseite noch ein Erdprofil bis unter die Fundament-Unterkante gewonnen werden.

Bei der Erweiterung des Planums innere Nordwest-Mauer in der Südwestecke wurde erneut ein Silberheller gefunden. Beim Sieben des Aushubs ist leider ein Stück des Münzrandes abgebrochen. Mit diesem Neufund verfügen wir nun über sechs Fundmünzen. Davon sind fünf Stück Silberheller und ein Stück eine mittelalterliche Fälschung. (vgl. Schnellertsbericht von 1976 und 1977).

Leider konnte bisher nur der zuerst gefundene Silberheller abgebildet werden, weil die Metallanalysen noch ausstehen. Auch die Datierung des Neufundes war noch nicht möglich.

Welcher Wert den Fundzeichnungen zukommt, läßt sich an den Eisenfunden besonders deutlich machen. Obwohl die meisten Eisenobjekte in den vergangenen Jahren restauriert wurden, verfallen sie zusehends. Bei eisernen Bodenfunden ist nämlich alle Restaurierungskunst vergeblich, wenn es nicht gelingt, die in die Metallporen eingedrungenen Salze zu entfernen. Auf elektrochemischem Wege mit anschließenden wochenlangen Wässerungen kann solch eine Restaurierung oft gelingen. Aber selbst erfahrene Restauratoren müssen auf dem Gebiet der Eisenrestaurierung immer wieder Rückschläge hinnehmen.

So bleibt oft die exakte Zeichnung als einziges Dokument über ehemalige Erhaltungszustände. Folglich sollen wieder einige Eisenobjekte vorangegangener Kampagnen vorgestellt werden.

Das abgebildete Hufeisen stammt aus dem Planum innere Nordwestmauer, die beiden Messer und der kleine Pfeil aus dem Bereich der Toranlage und die Schöpfkelle vom Südostende des Hügelschnittes im Jahre 1978.

Das Hufeisen mittlerer Größe weist einige herstellungs – und verwendungstechnische Besonderheiten auf. Seiner Größe nach stammt es wohl von einem Reitpferd, denn die Ackerpferde waren schwerer mit entsprechend wuchtigen Hufeisen. Der schräg abgelaufene Stollen deutet auf eine sehr lange Benutzungszeit hin. Dies ist ein Hinweis auf unvollkommene Hufpflege. Das zweite Stollenende läuft keilförmig aus. Die starke Abnutzung des Hufeisens führte im Bereich des abgerundeten Vorderteils zu einer teilweisen Aufgratung. So läßt sich nicht mehr feststellen, ob sich hier einmal eine sogenannte „Kappe“ befand, die einen besseren Halt des Eisens am Huf zu gewährleisten hat. Mit Sicherheit war die Unterseite im Vorderteil nicht gegrifft, sondern glatt. Wie starke einseitige Abnutzung Aufgratung verursachen kann, läßt sich am linken Hufschenkel an den schon teilweise verschwundenen Nagellöchern besonders gut studieren.

So erfahren wir durch jeden neuen Fund ein bißchen mehr vom täglichen Leben der ehemaligen Bewohner der Schnellertsburg.