Ilse Krüger, Schnellertsbericht 1977, S. 30.

Der Schnellertsherr hätte sich gewundert. So lebhaft ist es sicher in den letzten 700 Jahren nicht auf seiner Burg zugegangen‚ so laut, so lustig, soviel Gelächter, Bratwurstduft, Musik. Der 7. August 1977 war kein gewöhnlicher Tag auf dem Schnellerts, die Arbeitsgeräte blieben im Schuppen, das Rüttelsieb war nur noch vielbestaunte Dekoration, auf dem frischgeharkten Platz warteten Tische und Bänke auf Besucher. Die ließen sich nicht lange bitten: Um zehn Uhr sollte es beginnen, das erste große Schnellertsfest; ab neun strömten sie herbei mit Kind, Oma, Opa, Hund und Kegel. Um halb zehn stand fest, daß die Plätze nicht ausreichen würden. Die Freiwillige Feuerwehr von Brombachtal sei gelobt: in Windeseile schaffte sie neue Sitzgelegenheiten her, von freundlichen Gastwirten der Umgebung entliehen. Bald waren auch diese Plätze besetzt. Aber es gab ja noch den Turmstumpf, die Grabenränder – kurzum, die Besucher wußten sich zu helfen. Und dann konnte man ja auch auf- und abspazieren, Freunde begrüßen, Verwandte und Bekannte wiedersehen. Das war das Schöne an diesem Fest: es war kein Vorführfest für Touristen; ein Volksfest war es, ein Familienfest. Jeder, der hier in der Umgebung lebt, hat irgendwann einmal seinen Schulausflug mit dem Lehrer hinauf auf den Schnellerts gemacht, jeder hat davon gehört und alle waren neugierig, wie es denn jetzt wohl dort oben aussähe. Enttäuscht wurden sie nicht, sie waren zufrieden mit dem, was sich inzwischen oben auf dem Berg getan hatte. Alte Geschichten gingen hin und her, die bekannten Schnellertssagen, Schulgeschichten – wann waren wir zum letzten Mal hier, weißt Du noch. . . ? Herrlich war es an diesem warmen Sommertag unter den schattigen Bäumen. Für die Durstigen standen Kisten und Kisten mit Bier und Limonade bereit( gelangt hat’s dann doch nicht, vom Schnellertshof mußte eilig Nachschub geholt werden), ächzend schleppte der Böllsteiner Bäcker mehrmals am Tag seine leckeren, frischgebackenen Brötchen den Berg hinauf, knusprige Bratwürste wurden auf dem Rost flink gewendet. Glühend vor Begeisterung schichtete Martha, pausbäckige Amerikanerin auf Europatour, Würstchen, Senf und Brot auf die Teller und reichte sie den Hungrigen. Ein typisch deutsches Volksfest – da gab es zuhause etwas zu erzählen! Und die Musik – unermüdlich ließen die Affhöllerbacher Haardtfinken ihre Lauten und Gitarren erklingen; sie hätten noch viel öfter spielen und singen dürfen, aber auch ein Musikant muß sich einmal stärken. Erst gegen Abend, als Gewitterwolken aufzogen, entschlossen sich die Gäste zum Gehen. Und an dem einzigen verbliebenen Tisch, in der Mitte des Platzes, saßen immer noch ein paar Unermüdliche und konnten kein Ende finden. Es war doch zu schön. Ob Petrus es im nächsten Sommer wohl wieder so gut mit uns meint? Denn im August 1978 gibt es natürlich wieder ein Fest. Das ist doch klar.

Burg Schnellerts, Rekonstruktionsversuch von Fred Lehmann, Darmstadt, 1977

Burg Schnellerts, Rekonstruktionsversuch von Fred Lehmann, Darmstadt 1977