Eine Volkssage von

Revierförster Hoffmann, Schnellertsbericht 1977, S. 26-27.

Nach der Erzählung des vor 40 Jahren verstorbenen und um die 80 Jahre alt gewordenen sogenannten Haal-Hannes, Bewohner einer Hofreite in Ober-Kainsbach, durch welche der Berggeist seinen Weg, bei dem Ausbruch eines Krieges in Deutschland vom Schnellert nach dem Rodenstein und wann der Friede erfolgt ist, von da zurück nach dem Schnellert, genommen haben soll, niedergeschrieben.

I. Des Berggeistes Wanderung vom Schnellert nach dem Rodenstein.

Hans sprach, ich muß Euch gleich erzählen was ich gehört, wie mir geschehn – ich kann es länger nicht verhehlen, Ihr werdet bald was anders sehn – Es grauset mir, – doch gebet acht, all dies geschah in vor’ger Nacht:

Mir schien vorerst, es rollten Wagen durchs stille enge Thal heran, im Dörfchen wär’ Alarm geschlagen und auf den Beinen Jedermann; – Doch ahndet bei dem Saus und Braus der Alte nur vom Schnellerthaus.

Ich hörte wiehern viele Rosse, bei meiner Wohnung zog vorbei ein Corps von oben aus dem Schlosse, mit unaufhörlichem Geschrei; – Glaubt mir nur fest, ich sag nicht mehr, es war ein ganzes Geisterheer.

Der Zug kam um die zwölfte Stunde, wahrt’ einige Minuten lang. – Es schrie, es rauscht, es bellten Hunde, mir wurde um das Herze bang. Die Hörner tönten auf dem Feld, als wär Parforce-Jagd angestellt.

Noch in der Ferne hört ich’ s schallen, Ha, hi, ho, hu und allerlei; – Die Kutscher mit der Peitsche knallen als wär der Zug schon lang vorbei. es eilte fort ganz ungestört, und endlich ward nichts mehr gehört.

Seht, dies bedeutet böse Zeiten, – der Krieg wird unvermeidlich seyn; wir können uns schon vorbereiten, der Herr zieht auf den Rodenstein; Wenn der einmal verläßt sein Haus so bricht der Krieg gewißlich aus.

Dies sagten uns die lieben Alten, nach diesem richtet Euch allein: wenn sich im Schnellert nicht will halten der Herr, so wird es Krieg bald seyn. Er eilt durch dieses Thal hindurch nach Rodenstein in seine Burg.

Dort weilt er, bis der Krieg verschwunden und wartet auf die Friedenszeit; drum scheint’s, er hätte dort gefunden vor seinen Feinden Sicherheit. Weil er so lange bleibet still, bis sich der Krieg bald enden will.

Naht einst die Ruhe sich uns wieder und wissen wir noch nichts davon: – so glaubt gewiß, Ihr meine Brüder, der alte Herr, der weiß es schon; und dies so pünktlich auf die Stund, sein Einzug macht den Frieden kund.

Bald wünschte ich sein Wiederkommen, wenns fürchterlich schon tobt und brüllt, uns wird doch weiter nichts genommen; – auch wär’ der Friedenswunsch erfüllt. Zieh bald in deinen Schnellert ein, uns sollst Du doch willkommen seyn.

II. Des Berggeistes Wanderung vom Rodenstein nach dem Schnellert.

Euch, Brüder, muß ich sagen, was Ihr wohl noch nicht wißt, – hört, was sich zugetragen das von Bedeutung ist: im Thale hört ich’s schallen es naht sich immer mehr; ein dumpfes wiederhallen empfand mein gut Gehör.

Ich hörte Reiter ziehen in meine Hofraith’ ein; schnell wollt ich auswärts fliehen, doch dieses konnt nicht seyn; – Muth mußt ich also fassen, war auch des Schreckens viel, drum dacht ich ganz gelassen: es ist nur Geisterspiel.

Das Jagdgeschrei kam wieder, von Bergen stürmts herab; ein Jäger-Corps, Ihr Brüder, langt an in vollem Trab; Es eilt nach jenem Schlosse die Steile Höh hinan‚ am Schnauben vieler Rosse erkannte man die Bahn.

Es rollten viele Wagen als Nachtrab noch vorbei, ich kann Euch, Freunde sagen, ein fürchterlich Geschrei vernahm ich auf den Höhen; – doch wars ein Jubelton, und daran könnt Ihr sehen, wir haben Frieden schon.

Die Burg hat er verlassen auf seinem Rodenstein, er zog die vor’ge Straßen der Herr im Schnellert ein; – ich dacht doch an den Alten als man vom Frieden sprach; wenn der wird Einzug halten, folgt bald die Ruhe nach.

Wir wollen ihm verzeihen, wenn er im Sturm eindringt, und uns aufs Neue freuen, weil er den Frieden bringt; wenn wir nichts weiter spüren, hat Ruh ein Theil der Welt, die Herrschaft mag er führen, solang es ihm gefällt.

Er ist nun eingezogen, wo er schon lang nicht war, und hat uns nie betrogen. Das sehn wir wieder klar. Hab ich auch Angst empfunden und stürmte wild mein Blut, – er schlägt doch keine Wunden, und – droben sitzt er gut!

(StAD. Abt. D 12, Kov. 666)