Wolfram Becher, Schnellertsbericht 1976, S. 12-20.

Die archäologischen Ausgrabungen der letzten Jahre auf dem sagenumwobenen Schnellerts haben eine Reihe baugeschichtlich interessanter Tatsachen ans Licht gebracht. In der Frage, wer diese mittelalterliche Kleinburg wann etwa errichtet hat und warum sie zugrundegegangen ist, kam man bisher keinen Schritt weiter. Bei allen diesbezüglichen Diskussionen erscholl jedesmal am Ende der Ruf nach dem Historiker; da aber jegliche geschichtliche Erwägung gewöhnlich von vornherein mit dem Wust der sich seit über zwei Jahrhunderten selbst unentwegt immer weiter fortspinnenden Sagenüberlieferung vom Rodensteiner als dem „Schnellertsherrn“ belastet ist, erscheint eine halbwegs unvoreingenommene Sichtung und Beurteilung des spärlichen Urkundenmaterials, das vielleicht etwas mit unserer Burg zu tun hat, kaum mehr möglich. Mit Sicherheit muß jeder, der einen derartigen Versuch unternimmt, von vornherein damit rechnen, daß alle aus dem Urkundenbereich vorgelegten Tatsachen, ihre Auswertung, Verknüpfung und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen einfach beiseite geschoben werden; zumal wenn sie notgedrungen hypothetischer Natur sein müssen, unter Berufung auf irgendeinen der zahlreichen Heimatforscher der Vergangenheit, die fast alle mehr oder weniger unter dem faszinierenden Zauber der Sage standen. Trotzdem sei solches, mit dem Vorbehalt des Irrtums, versucht. Es zu glauben, ist ja niemand gezwungen.

Zwei Tatsachen haben die jüngsten Ausgrabungen deutlich gemacht: Erstens war die Burg ein richtiger Wohnsitz und nicht nur eine rein militärische Warte. Ihre Gebäude waren mit Ziegeln gedeckt, Geschirr und anderen Hausrat gab es reichlich und der gefundene Spinnwirtel zeigt, daß auch Frauen hier gelebt und gewirkt haben.

Zweitens ist diese Burg gewaltsam zugrunde gegangen. Das beweisen die Brandspuren und die beachtliche Zahl von Pfeil- oder Armbrustbolzenspitzen, die im inneren Burgbereich in der Nähe des Bergfrieds gefunden wurden. Daß von diesem Vorgang – anscheinend – keine urkundliche Überlieferung spricht, ist auffällig. Beide beteiligten Seiten müssen es für gut befunden haben, kein besonderes Interesse an diesem Platz und seiner Zerstörung zu zeigen.

Genau genommen spricht von unserer Burg nur eine einzige Urkunde, eine Belehnung mit dem Gegenrevers im Fürstlich Löwenstein-Wertheim Gemeinschaftlichen Archiv (FLwGA), Repertorium Breuberg, Nr. 159:

Wir Johans grave zu Wertheim bekennen mit diesem offen Briff, daz wir verlihen haben und verleihen mit Kraft diß brifs Gerhart von Erlbach vnd Sinen lehnserben zu einem rechten manlehen sin Huß gelegen zu Kunspach mit sin zugehorden, vnd soll auch unsir vnd \ vnsir erben offin Huß sin wider aller menlich, auch soll er vns und vnsin erben verbunden und gehorsam sin als manlehen recht ist angeurde. Zu Urkunde ist vnsir insigl gehangen an diesen Briff, der geben ist anno m°ccc°Lxxxx primo an Samstag(?) Vincencii.

(Urk. Perg., Siegel vorh., leicht beschädigt; Rückvermerk: 1391, Gerhard von Erlbach manlehen, ein Huß zu Kunßbach). Die Gegenurkunde lautet:

Ich Gerhart von erlbach bekenne mit disem Briff für mich vnd alle myn erben, daz ich von dem edeln wolgeboren Johansen grafin zu Wertheim meinem gnedigen Herrn zu rechtem manlehen empfangen han min Huß zu Kunspach gelegen mit sin zugehorden, vnd sol auch dez vorgenannten myns gnedigen Herrn vnd siner erbin offen Huß sin wider aller menlich, auch so sol ich dem obgen. myn gnedigen Herrn vnd sin erbin verbunden und gehorsam sin als manlehens recht ist angeurde. Zu Urkund ist min eigen Inges. gehangen an disem briff geben anno m° ccc° Lxxxx primo am Samstag (?) Vincentii.

(Urk. Perg., Siegel vorhanden, das Schild zeigt eine Gans; Rückvermerk: “ 1391 Gerharts von Erlbach manlehen.“)

Dieses Haus ist eindeutig als „festes Haus“, als Burg anzusehen. Und unter den Zugehörungen ist ein dieser Burg zugeordneter Bereich an Besitz, Recht und Herrschaft zu verstehen, nicht nur etwa das Stückchen Burgwald, der gerade zur Zeit des Bestehens der Burg aus militärischen Gründen gar nicht gestanden haben kann. Der Vorgang stellt die rechtliche Übertragung eines bereits vorher bestehenden Besitzkomplexes an den Chef einer bewährten Vasallenfamilie dar, vermutlich zu dem Zeitpunkt, wo dieser nach dem Tode seines Vorgängers in dessen Rechte und Pflichten eintrat.

Seine Nachkommen empfingen von 1405 ab in ununterbrochener Folge (1408, 1413, 1445, 1453, 1454, 1474 – teils aus Original Urkunden im FLwGA, teils aus A. Friese: Lehnhof der Grafen von Wertheim, bekannt) ihre „Vogtei (d.h. Niedergerichtsbarkeit) zu Kunspach und Gersprenze, mit Zehnten groß und klein“ usw. Dabei handelte es sich um den unteren Teil von Ober-Kainsbach (am Fuße des Schnellerts) und um Unter-Gersprenz (vgl. Becher in: „Burg Breuberg im Odenwald“, S. 27 ff und Karte). Auch nach dem Aussterben derer „von Erlebach im 16. Jahrhundert sind diese Berechtigungen bei ihren Lehnserben nachweisbar. Diese Besitzungen und Rechte aber stellen geografisch wie ihrem Wert nach die passenden „Zugehorden“ zum festen Haus dar.

Doch da dieses Haus selbst nie mehr erwähnt wird, bleibt nur der Schluß, daß es zwischen 1391 und 1405 niedergelegt wurde und daß die Grafen von Wertheim als damalige Hauptanteilhaber von Breuberg keinerlei Interesse an einer Wiederaufrichtung der Bergfeste hatten. Deshalb tauschten sie wohl auch – vielleicht vorsichtshalber – im Reichenberger Vertrag von 1551 den Burgkopf nicht an Erbach weg. Aber den „Erlebach“ sind sie offenbar nicht böse gewesen, auch wenn für uns das Ganze auf drei Meilen gegen den Wind nach ausgeräuchertem Raubnest riecht.

Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert hatte das sogenannte Raubritterunwesen wieder einmal eine Blütezeit. Gegen die immer stärker werdenden Territorialfürsten und die immer selbstbewußter auftretenden Städte bemühten sich Teile der alten Ritterschaft, sich auf eigene Faust für das vermeintliche Dahinschwinden ihrer hergebrachten Rechte schadlos zu halten. Bekannt ist die Belagerung und Erstürmung der Ganerbenburg Tannenberg über Seeheim an der Bergstraße. Sie wurde 1399 durch die vereinigten Fürsten und Städte zerstört. Dabei befanden sich unter den Gefangenen auch etliche im Odenwald Beheimatete, gleich hinter dem Anführer Hartmut von Cronberg wird Heinrich Starkerad genannt. Dessen Vater Henchen Starkerad oder „Duborn“, wie die Familie ursprünglich hieß, hatte sich kurz zuvor ein „Steinen Haus“ in Rimhorn erbaut. Das sogenannte „Mühlhäuser Schlößchen“ dürfte der gleichen Zeit entstammen, anscheinend von den „Starkerad“ und den „Bachen“ in die Talenge südlich des Breubergs hineingesetzt.

1396 schloß Schenk Johan oder Hans III. v. Erbach aus der Reichenberg/Fürstenauer Linie ein Bündnis mit dem Pfalzgrafen gegen die räuberischen Überfälle aus dem Schlosse Breuberg, wobei man offenbar die Brüder Gottfried und Eberhard von Eppstein und die „von Horbach“ im Auge hatte, die damals neben den Grafen von Wertheim Besitzanteile besaßen.

Daniel Schneider hat uns in seiner Erbacher Historie (Urk. II, CXVII, 3) für 1397 folgende Urkunde überliefert:

„Ich Henne Bache und Jorge Bache und Syfrid Bache Gebruder beken nen vnz vffinlichin mit diesem Brieffe vmb soliche Ansprache alß wir hattin geyn den Edeln Heren Schencke  Johans Hern von Erpach vmb solichen Schaden den er vnsern Vatter vnd vns zugefugt hatte daz wir dez guetlichin mit dem egenant Heren verricht sint vnd vns“ gnuglichin darum geschein ist vnd virzihin daruf gantze vnd gar mit diesem vffin Brieffe. Vnd dez zu Urkunde so han ich Jorge Bach vnd ich Syfrid Bache Gebrüder vnser iglich sin eygen Ingesigl gehenckt an diesen Brieff, vnd ich Henne Bache vorgenannt han gebeden Albrecht von Eychelsheim (damals Hanauischer Amtmann auf Breuberg, d.Verf.) daz er sin Ingesigel eygens Ingesigel nit enhan. Datum anno Domini millesimo trecentesimo nonagesimo septimo fer. sex p. dcollacionis beati Johannis. „

Es ist das typische Beispiel einer Fehdebereinigung, wobei man Personen und Gegenstand des unliebsamen Vorkommnisses taktvoll übergeht. Da die Söhne hier für ihren Vater die ungenannte Sühneleistung quittieren, ist es sicher, daß dieser bei der gleichfalls ungenannten Schadensaktion für dauernd handlungsunfähig geworden ist. Vermutlich war es Peter Bach von Raibach. Der Uransitz der Familie war Waschenbach in der Zent Ober Ramstadt. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts hatten sie in Raibach am Fuße des Breubergs Fuß gefaßt. Wenige Jahre später bauten sich die genannten Brüder am Neustädter Hof bei Mömlingen im Grenzbereich Breubergischer und Kurmainzer Rechtskompetenzen eine eigene Wasserburg, welches selbstherrliche Unternehmen ihnen aber 1405 von den Grafen von Wertheim gestoppt wurde.

Der obengenannte Gerhart von Erlebach dürfte sein Haus in Kunspach bereits von seinem gleichnamigen Vater geerbt haben. (Vgl. W. Möller in: Archiv für Hessische Geschichte, N. F. 24, S 147 ff). Eine ältere Schwester Hildegard oder Hille war mit Johann Bach von Waschenbach oder seinem Bruder Heinrich verheiratet. Beide kommen so als Großvater der sogenannten Bache-Gebrüder in Frage. Der andere war dann mit einer Tochter des ebenfalls genannten Peter von Rorbach, Teilbesitzer am Breuberg, verheiratet. Daß sie sich für irgendwelche Eigenunternehmungen des Schnellertsstützpunktes des mit ihnen verschwägerten Gerhart von Erlebach, der wohl auf seinen Hauptbesitzungen in Wörth/M. residierte und noch 1398 bezeugt ist, bedient haben können findet so eine einfache Erklärung.

Daß die Schenken von Erbach mit denen von Erlebach an sich gut standen, erhellt daraus, daß Schenk Heinrich I. (aus der Michelstädter Seitenlinie) 1387 in seinem umfangreichen Testament zugunsten zahlreicher Kirchen nach seinem Neffen Graf Heinrich von Spanheim, seinem Oheim Friedrich von Lißberg vor Bechtold Echter und Heinrich von Ulnbach, den Gerhart von Erlebach als ”Selebewerer“, d. h. Testamentsvollstrecker, einsetzte. Mit seinem Vetter Eberhart Rauch (Reichenberg/Fürstenau), dessen Gemahlin eine Uta von Rodenstein war, und mit seinem Bruder Eberhard VIII. zusammen, hatte Heinrich l. 1333 den Johanniteranteil in Ober-Kainsbach (aus einer Schenkung der eigenen Vorfahren im 13. Jahrhundert) angekauft. Das war damit ein Stück Allodialbesitz, kein pfälzisches Lehen! Der freie Verbindungsweg zu den erbachischen Besitzungen in Nieder-Kainsbach und Brensbach hing von der gut-nachbarlichen Laune des Herrn auf dem Schnellerts ab. Hans III. aber, der Enkel Eberhard Rauchs, in dem wir den Handelnden in der Auseinandersetzung mit den Bachen erblicken müssen, besaß, wie aus den Verhandlungen über sein Erbe nachzuweisen ist (alles bei D. Schneider) Jespentz (d. h. Ober-Gersprenz) mit allen Zugehörungen. So liegt der Gedanke nahe, daß er im Jahre 1396/97 vielleicht mit pfälzischer Unterstützung  den Schnellerts gestürmt und zerstört hat. Ob der später den „Erlebach“ in Michelstadt eingeräumte Burgsitz als eine Art Ersatz gedacht war, wissen wir nicht. Die Grafen von Wertheim als eigentliche Herren der Burg dürften nach Lage der Dinge über diesen Verlust eher erleichter als bekümmert gewesen sein. Man ließ buchstäblich Gras, und später Bäume, über die zertrümmerte Burg wachsen. Wie hieß sie eigentlich?

Nach dem Breuberger Zinsregister von 1426 (Wertheimer Archiv) umfaßte der Breubergische Grundbesitz in „Oberkonspach Wertheims“ fünfeinhalb Huben und „eine Wiese, des snelharts Wiese“. Von Burg oder Ruine ist keine Rede! In den Beiakten zum Atlas Ley von 1757 (der auf einer Karte gerade nur einen unbestimmbaren Punkt an der Trümmerstätte verzeichnet), zu der Zeit also, wo die fabelhaften Geistergeschichten des Simon Daum vom Halhof über den erbachischen Amtmann Wittich auf dem Reichenberg an die Ohren der sensationslüsternen Zeitgenossen drangen, finden wir den dürren Vermerk „Ferner haben an vakannt- erkauft -öd und heimgefallen Güthern hohe Gemeinherrschaften anderthalb Morgen Feld im schnellert, so in Bestand gegeben worden. „ In der „geometrischen Charte von dem herrschaftlichen Forste Kirchbrombach“, gezeichnet von C.A. Menges 1798, copiert von J. Lohr 1805, findet sich die Anmerkung: „In dem Schnellert ist noch mit Chur Pfalz strittig, wie die punctierte weis gelaßene Linie ziehet. “ Es handelt sich um das kleine, unbewaldete Stück im Südosten, vielleicht die Wiese von 1426. Dies alles ist hier nur angeführt, um zu zeigen, daß der Name Schnellert oder Schnellerts das Waldstück und nicht die Burg meint. Die Sage aber meint eindeutig die Burg.

Da kennen wir aber noch eine andere mittelalterliche Familie, aus dem sogenannten niederen Adel, die um den Schnellerts herum jahrhundertelang breubergischen Lehnsbesitz von Wertheim her besaß: die „Gans“, ursprünglich nach Wörth (Werde) zubenannt, bekannter durch den im 14. Jahrhundert auf den Otzberg überwechselnden Zweig, gleichen Wappens und vermutlich gleicher Abstammung mit denen „von Erlebach“. Ihre Lehnsreverse sind allerdings erst fast 50 Jahre später für diesen Raum greifbar erhalten. Der älteste, unseres Wissens bisher nicht veröffentlichte (es ist nur die Abschrift aus einem Kopiar), nennt für unseren Raum folgende Güter:

„Hannsen Gans bekennt 1439 gegenüber Graf Johan zu Wertheim als Mannlehen zu Breuberg erhalten zu haben: Henbach 1 Hube, 1 Hube um Hußen, Gersprenz 1 Hube und 1/4 Hube. in der Stierbach 1 1/2 Hube, zu Kiensbach und in der Hecken gelegen l Hube, zu Burstein 1 Hube, myn theil des Zehenden zu bilstein groß und klein (= 1/ 2) myn zehenden zu Husenn klein und Groß, Item myn Zehnden oben zu Künßbach kl. u. gr., den Zehnden zu Balspach kl. u. gr., 2 Pfd. Gaderzinße uf dem Kirchspiel zu Brombach, 5 mltr. Habergült zu Niederkinzige, 3 Kapaun von der Mulen in der Stirbach,…

(es folgen die Rechte und Besitzungen in Wörth);

(FLWGA, Rep. Breuberg, Nr. 124).

weitere Lehnsbriefe sind ganz oder im Auszug nachweisbar für die Jahre 1445, 1454, 1510,  1532, 1566. Sie alle beginnen mit den Besitzungen in Hembach, Hausen, Stierbach und Gersprenz. Es erhebt sich daraus die Frage,ob die eine Hubs zu Hausen nicht etwa der ursprünglich eine Halhof gewesen ist, weil dessen Inhaber von 1742, Simon Daum, der große Märchenberichterstatter, sich ausdrücklich als Zinspflichtigen der Ganse von Otzberg bezeichnet hat, obgleich zu diesem Zeitpunkt die bekannte Adelsfamilie bereits seit einem halben Jahrhundert erloschen war.

Angesichts der vermutlich gleichen Wurzel der Familien „Gans“ und „von Erlebach“ (worunter wir das ehemalige, beidufrige Erlenbach als erwiesene Vorsiedlung von Wörth zu erblicken haben) und der auch noch für das 15. Jahrhundert nachweisbaren Verschwägerung untereinander, könnte man die genannten Gansischen Güter als weiteren Teil des einstigen Gesamtzubehörs zur Burg auf dem Schnellerts ansehen. Da aber beide Familien eben doch erst vom Main her als breubergische Lehnsleute westwärts gezogen sind, ist für diesen Gesamtkomplex die Vorbesitzerschaft einer anderen Familie weit wahrscheinlicher, die nachweislich ebenfalls mit den Mainfamilien in wiederholten Heiratsverbindungen gestanden hat und ihrerseits aus dem Gersprenzraum heraus zu Anfang des 13. Jahrhunderts festen Fuß in Wörth am Main gefaßt hat: es sind die „Duborn/Starkerad“, deren Wappengenossen und mutmaßliche Sippenverwandten, die „Echter“ und die “von Brensbach“ nach heutiger Erkenntnis aus der Gegend von Brensbach kamen, sofern man als ihrer aller Urahnen nicht die Ritter „v. Reckershausen“ im unteren Modautal ansprechen will.

Sie waren diejenige Ministerialenfamilie, die in der Zent Kirchbrombach mit den reichsten Lehnseinkünften von der Herrschaft Breuberg bis zu ihrem Erlöschen zu Ende des 15. Jahrhunderts ausgestattet war. Ihre Angehörigen traten frühzeitig im Erbachischen Lehnsbereich auf, sie waren Mainzer und Bickenbacher Vasallen und vor allem auch in Rimhorn Rodensteinische Lehnsträger. Daß die Rodensteinischen Besitzrechte über die Zenten Kirchbrombach und Höchst, die sich später noch in der Vogtei der Herren von Crumbach über das Kloster Höchst dokumentieren um 1200 oder bald danach in die Hände der Reize von Lützelbach/Breuberg übergegangen sein müssen, gilt heute als anerkannte Tatsache, auch wenn die sicher zugrunde liegenden genealogischen Verknüpfungen exakt noch nicht nachgewiesen werden konnten. 1235 tritt „Henricus Dubehor“ erstmals in breubergischen Lehnsangelegenheiten am Main als Zeuge auf. Hermann Duborn, Ritter, begegnet uns 1276, 1303 und 1305 als Erbacher und Breuberger Lehnsmann in angesehener Stellung. Von seinen mutmaßlichen Söhnen war Starkerad Duborn (1314 – 1348) Vogt auf Breuberg, Herrmann II. Duborn (1318 – 1341) Mainzischer Burgvogt in Fürstenau, Albert Duborn 1334 Stiftskanoniker in Aschaffenburg. Unter diesen Leuten würde man gut den Erbauer der Burg auf dem Schnellerts vermuten können, so wie sich der Baubefund bis jetzt dargestellt hat. Sie besaßen zweifellos die Mittel wie die erforderliche, anerkannte Stellung für ein solches Unternehmen. Sowohl den Ganseschen. wie den Erlebachischen Besitz könnte man, auch wenn man Einzelheiten nicht kennt, gut aus ihrem Besitzkomplex herleiten. Sie würden auch die Brücke zu der Sagenüberlieferung erlauben, die die Schnellertsburg mit dem Rodensteiner in Verbindung bringt.

Die genauere Genealogie dieser Familie, über die man im Zusammenhang leider bisher nirgends etwas wirklich Zutreffendes lesen kann, wird hoffentlich in absehbarer Zeit einmal veröffentlicht werden. Ein letzter Gedanke abseits aller bisher üblichen Betrachtungsweisen, soll hier als Diskussionsbeitrag angefügt werden. Von Beweisbarkeit kann allerdings vorerst keine Rede sein. Da es aber mißlich ist, darauf zu warten ob sich im Hessenland ein kompetenter Kenner dieser verzwickten genealogischen und territorial geschichtlichen Fragen des Kleinraums um den Schnellerts findet, wie es, -mutatis mutandis- bei der Fundkeramik leider den Anschein hat, möge er als Arbeitshypothese ausgesprochen werden:

Zwischen 1347 und 1367 tritt in den Erbachischen Urkunden mit nur zwei Generationen eine adlige Familie ”von Hochhausen“ auf. Nach den Siegeln führten sie einen rechten Schrägbalken im Wappen. Von den zwei gleichnamigen Familien des weiteren Umkreises nannte sich die eine nach Hochhausen am Neckar bei Obrigheim, die andere nach Hochhausen bei Tauberbischofsheim. Zu beiden Räumen sind erkennbare Beziehungen weder von unseren „Hochhausen“ noch von ihrer Lehnsherrschaft, den Schenken von Erbach, bekannt. Ihre markanten Vornamen, Rüdiger und Hug, finden sich unseres Wissens bei keiner der beiden anderen Familien. Doch weisen Leitnamen, Stellung und Besitz sie am ehesten als Zweig der von 1255 bis 1388 nachweisbaren Familie „von Schöllenbach“, eigentlich „von Scellenbuch“ aus. Davon treten 1266 und 1276 die Brüder Hugo und Ortwin als Zeugen für die Erbacher Schenken in Sachen des Johanniter-Besitzes der Kommende Mossau in Ober-Kainsbach urkundlich in Erscheinung. In Schöllenbach ist aber überhaupt kein Besitz der Familie urkundlich nachgewiesen oder erschließbar. Vielleicht sollte man sie eher mit dem Schöllenberg bei Erbach in Verbindung bringen. Sie müssen vor den „Hochhausen“ den Burgsitz im Erbacher Städtel innegehabt haben, der heute im Rathaus verbaut ist. Es erschiene sinnvoll, die Namensänderung in „Hochhausen“ mit dem Erwerb eines Bergschlosses in Verbindung zu bringen.

Peter von Hochhausen (1348/50) war als Schwiegersohn des obengenannten Hermann II. Duborn dessen Amtsnachfolger als Mainzischer Burggraf in Fürstenau. „Huk, ein Ritter von Erpach“, der ein „Hochhausen“ gewesen sein muß, schenkte 1348 zusammen mit seiner Gattin Femele (Euphemia) dem Nonnenkloster Himmeltal (zwischen Obernburg und Eschau) etliche Gülten, Zinsen, Rechte und Zehnten „im Dorfe zu Erllebach“. ( J. Kittel: Das Cisterzienserinnenkloster Himmeltal, Urk. Nr. 101). Demnach entstammte seine Gattin sicher „einer der dort von altersher ansässigen und begüterten Familien. Wenn Peter von Hochhausens Witwe, die geborene Duborn, mit ihren Söhnen 1366 u. 1367 ihre ganzen Erbacher Lehen an Cuntz Echter verkaufte und die Familie danach überhaupt aus den Urkunden verschwindet, so bleiben genau jene 20 Jahre übrig, in denen nach dem Verlöschen dieser Familie die „Erlebach“ ihre verwandtschaftlichen Rechte auf Übernahme der Breubergischen Lehen hätten geltend machen können. Als Nachfolger dieser Familie würde die Erbach nahe Stellung Gerhardts des Älteren von Erlebach 1387 (als „Selebewerer“ !) verständlich sein.

Wenn diese Zusammenhänge richtig gesehen sind und unwiderlegt bleiben sollten, dann könnte die alte angenommene Duborn-Burg über „Hausen“ den Besitzernamen „von Hochhausen“ gerechtfertigt haben.

So etwa läßt sich die spätmittelalterliche Geschichte des Schnellerts in einem einigermaßen sinnvollen Zusammenhang darstellen. Einzelheiten können durchaus anders gewesen sein. Der Gesamtrahmen jedoch dürfte der Wahrheit ziemlich nahe kommen. Wenn also hier die Erbauung der Burg auf dem Schnellerts für die Mitte des 13. Jahrhunderts und ihre Zerstörung in die letzten Jahre des 14. Jahrhunderts angesetzt wurde, so soll damit über frühere etwaige Anlagen im „Snelharts“ nichts gesagt sein. Die Möglichkeit ihres einstigen Vorhandenseins müßte und könnte nur durch einschlägige archäologische Funde aus dem Bereich der Sage in den Raum der Geschichte hineingeholt werden.

Eine kritische Überprüfung des hier Vorgelegten ist, sofern sie nur unter Ausschaltung allzu ortsnahen Wunschdenkens erfolgt, ebenso erwünscht wie notwendig.