Georg Dascher, Schnellertsbericht 1976, S. 5.

Archäologen, Forschern und Chronisten ist zu danken, daß uns und kommenden Generationen Einblick in das Geschehen vergangener Zeiten gewährt wird. Jedoch unsere engere Heimat, der Odenwaldkreis, hat noch weiße Flecken auf der Geschichtskarte, die die Forschung bisher erschwerten. So blieben die Rätsel um den Ringwall auf dem Stutz bei Kailbach, das Beerfurther Schlößchen und die Ruine auf dem Schnellerts bei Ober-Kainsbach bisher ungelöst.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts führte der in Brensbach geborene Pfarrerssohn Professor Anthes an allen drei Stellen Grabungen durch. Ihm war ebensowenig Erfolg beschieden, wie den Heimatforschern beim Sichten umfangreichen Urkundenmaterials. So blieben bis heute über die Entstehungszeiten dieser ehemaligen Burg- und Befestigungsanlage lediglich Vermutungen mit einem weitgespannten Zeitbogen.

Der geschichtliche Kern der Sagen vom Schnellerts, durch Romantiker des vorigen Jahrhunderts verzerrt, läßt sich nicht mehr rekonstruieren. Die Fantasiegebilde haben der geschichtlichen Aufhellung ebenso geschadet wie der Steinraub, dem der Schnellerts fast völlig zum Opfer fiel. Das umfangreiche Schriftenmaterial lagert in den Archiven und hat Schatzsucher bis in die jüngste Zeit hinein veranlaßt, den Wahrheitsgehalt an Ort und Stelle mit Hacke und Schaufel zu überprüfen.

Wenn dem zum Trotz sich Bestrebungen anbahnen, die Überreste dieser seit Jahrhunderten in Trümmern liegenden Kleinburg zu sichern, ist das bei dem heutigen Stand der gewonnenen Erfahrungen immer noch problematisch. Obwohl eine vom Landesamt für Denkmalspflege beaufsichtigte Gruppe von Heimatfreunden anerkennenswerte Vorarbeiten geleistet hat, deren Ziel mit Spenden aus weiten Kreisen der Bevölkerung unterstützt wird, bereitet die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten weiterhin Schwierigkeiten.

Mit dem Sichern der Mauern allein ist der Sache nicht ausreichend gedient. Zu dieser Erkenntnis gelangte man schon bei den durchgeführten Vorarbeiten. Wenn hier auch mit aller Sorgfalt gegraben wurde, bleibt fraglich, ob ein abschließender archäologischer Grabungsbericht das Dunkel der Frühzeit dieser Kleinburg zufriedenstellend aufhellt und Daten liefert, die die Lücken auf der Geschichtskarte schließen.