Besprechung aus:  Burgen und Schlösser

Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e.V.
für Burgenkunde und Denkmalpflege. 1995 / II,126

Die Burgruine Schnellerts nahe Brensbach im Odenwald ist ein historisch nahezu unbekannter Platz. Nicht einmal ihr Name ist mittelalterlich. Daher hat man alle möglichen Hypothesen in sie hineininterpretiert. Die ab 1975 begonnene systematische Erforschung, Dokumentation und Konservierung der Mauerreste mündete schließlich in eine Magisterarbeit, die l994 am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Bamberg vorgelegt und im folgenden Jahr auch publiziert wurde. Durch eine gezielte Nachgrabung und die sachkundige Auswertung des gesamten Fundmaterials gelang es Christof Krauskopf, die Baugeschichte und Baugestalt der Burganlage ungleich klarer zu fassen.
Die Arbeit vermittelt aber ebenfalls einen interessanten Einblick nicht nur in den Burgenalltag und die höfische Kultur auf einer Burg minderer Größe und Bedeutung, sondern auch in kriegerische Geschehnisse, die letztlich sogar zum gewaltsamen Untergang der Burg führten. Die archäologisch belegte kurze Nutzungszeit der kleinen, homogenen Burg (2. Hälfte 13. Jahrhundert bis bald nach 1300) gestattete auch eine erfolgreiche Neusichtung des historischen Umfeldes. Vergleicht man den neuen Kenntnisstand mit dem vor 1994, so wird einmal wieder deutlich, welch wichtige Beiträge die Burgenarchäologie zur modernen Burgenforschung, zur Geschichtsforschung, zur Siedlungsgeographie und zur Erforschung der materiellen Kultur des Mittelalters beizusteuern vermag. Es ist dies aber auch ein Buch, das wohltuend knapp und doch präzise, seriös und doch zugleich gut verständlich geschrieben wurde.

Joachim Zeune

Besprechung aus:
Hessische Heimat 46, Heft 2 / 3, 1996, 101–102

Eine ernsthafte historische Forschung, mit deren Hilfe wir versuchen, die Geschichte des Landes und seiner Bewohner zu rekonstruieren, muß heute in vermehrtem Maße auch die Ergehnisse benachbarter Forschungsdisziplinen berücksichtigen. In diesem Zusammenhang kommt der archäologischen Spatenforschung eine wachsende Bedeutung zu, zumal sich die Archäologen nun vermehrt auch den mittelalterlichen Quellen der Geschichte zu nähern versuchen. So haben schon viele Ausgrabungen in den letzten Jahren gezeigt, daß wir unser Bild von der Geschichte manchmal doch etwas revidieren müssen. Man denke beispieisweise nur an die großartigen Forschungsergebnisse im Frankfurter Dom oder dem Kloster Fulda.
Deshalb gewinnt auch die Erforschung der alltäglichen Umwelt des mittelalterlichen Menschen stetig an Interesse. Ausgrabungen in Siedlungen, Kirchen und Friedhöfen des Mittelalters lassen zwar die großen Leitlinien der Geschichte weitgehend unberührt; durch das Zusammenfügen kleiner und kleinster Mosaiksteinchen führen sie uns jedoch zu neuen und oftmals unerwarteten Erkenntnissen über unsere Vergangenheit. Der lokalen Geschichtsschreibung eröffnen solche Grabungen regelmäßig völlig neue Perspektiven. In diesem Zusammenhang gewinnt die Erforschung der mittelalterlichen Adelsburgen einen besonderen Reiz. Kann man doch durch den archäologischen Befund die schriftlichen Quellen überprüfen, oftmals sogar ergänzen oder revidieren.

Ein solches Beispiel bietet nun die 1995 von Christof Krauskopf vorgelegte Publikation über die Burgruine Schnellerts im Odenwald. Der Schnellerts, der schon früh durch seine Sagen und Geschichten berühmt wurde, ist eine jener kleineren Adelsburgen, über deren Geschichte und Bedeutung wir eigentlich nicht sehr viel wissen. Zudem liegt er in Hessen, einem Gebiet im Herzen Deutschlands, aus dem wir leider nur über sehr wenige publizierte Ergebnisse mittelalterlicher archäologischer Forschungen verfügen.
Dank der unermüdlichen Initiative einer aktiven „Forschungsgemeinschaft Schnellerts“ konnte in den vergangenen beiden Jahrzehnten ein archäologischer Beitrag nicht nur zur Geschichte des Odenwaldes, sondern auch zum bisher kaum bekannten Fundspektrum südhessischer Keramik des späten Mittelalters zusammengetragen werden. Nur über die archäologischen Quellen war es möglich, die Burgruine zeitlich einzuordnen, stehen uns zu ihren Erbauern und Bewohnern doch so gut wie keine schriftlichen Belege zur Verfügung. Deshalb bleibt der Versuch einer Einreihung der Burg in die Territorialgeschichte des Odenwalds im 13. und 14. Jahrhundert hypothetisch, was der Verfasser durchaus berücksichtigt und mangels schriftlicher Quellen auch kaum zu ändern sein dürfte.

Im ergrabenen Baubestand und den geborgenen Bodenfunden spiegeln sich der Alltag und das Repräsentationsbedürfnis niederadliger Familien des späten Mittelalters wider. Die im 13. Jahrhundert erbaute Burg auf dem Schnellerts präsentierte sich als Höhenburg mit rundem Turm, einer mächtigen Ringmauer mit Torhaus und umlaufendem Hanggraben. Hinweise auf ein steingemauertes Wohnhaus konnten nicht entdeckt werden, dagegen belegen zahlreiche verbrannte Lehmstücke von Fachwerkkonstruktionen in Holzbauweise errichtete Innenbauten. Spuren einer Vorgängeranlage wurden nicht gefunden. Das Ende der Burg um 1300 oder wenige Jahre danach ist in den Spuren einer gewalttätigen Auseinandersetzung dokumentiert, die sich durch zahlreiche Waffenfunde und Brandspuren im Burgareal belegen läßt.

Hervorzuheben ist die äußere Gestaltung des angezeigten Buches, das unter anderem durch die Größe seiner Schrift besticht, die auch der menschlichen Sehschwäche gerecht wird. Leider schmälert die etwas mangelhafte Fadenbindung den ansonsten untadeligen Wert des Buches, denn schon nach wenigem Durchblättern lösen sich einzelne Seiten. Da entschädigen auch die beiden farbig bedruckten Tafeln wenig, deren sicherlich nicht unbeträchtliche Kosten man doch besser für die Bindung hätte verwenden sollen.
Von dem Band, der zugleich die Bamberger Magisterarbeit des Verf. ist, eine Territorialgeschichte des Odenwaldes oder die Aufarbeitung der Keramik in Südhessen erwarten zu wollen, wäre ungerecht. K. wollte und konnte lediglich die Ausgrabungs- ergebnisse in der Burgruine Schnellerts in gedruckter Form vorlegen und diese in ihren historischen Rahmen stellen. Dies ist ihm in musterqültiger Form gelungen. Insoweit kann die Lektüre dieses Buches jedem an der Geschichte des Odenwaldes Interessierten empfohlen werden und es bleibt nur zu hoffen. daß man in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft über weitere Publikationen vergleichbarer Art berichten kann.

Peter Jüngling

 

Burgruine Schnellerts: Forschungsgemeinschaft finanziert 2012 Stabilisierung der Ringmauer ( Darmstädter Echo )

Die Forschungsgemeinschaft Schnellerts (FGS) ist für ihre Beharrlichkeit bekannt. Daran hat sich seit der Gründung des Vereins 1976 nicht viel geändert, wie auch die Hauptversammlung 2012 am Freitag in Stierbach zeigte.
Was sich bewährt hat, soll bleiben, finden die Freunde der rätselhaften Burganlage zwischen dem Brensbacher Weiler Stierbach und dem Brombachtaler Ortsteil Böllstein. Und deshalb wählten sie den Vorstand einstimmig wieder: Volker Thomasberger bleibt Vorsitzender und Felix Becker sein Stellvertreter. Barbara Dittmann fungiert weiter als Schriftführerin und Klaus-Peter Hölzer als Schatzmeister. Beisitzer sind Dietrich Fürst zu Erbach-Schönberg, Karl-Heinz Seibold und Alexander Braun. Georg Dascher wird Ehren-Beisitzer, Bauingenieur Detlef Reeg wissenschaftlicher Mitarbeiter.

2011 unternahm die Gruppe eine Zweitages-Exkursion nach Xanten. Zur Brensbacher Kerb und zum Weihnachtsmarkt waren die Ausstellungsräume im alten Rathaus mit Fundstücken vom Schnellerts sowie der Sammlung Hofferberth für das Publikum geöffnet. Doch sei der Besucherandrang an beiden Terminen „recht überschaubar“ gewesen, hieß es bei der Versammlung. Es sei zu überlegen, ob dieses Angebot beibehalten werden könne. Im Lauf des Jahres seien jedoch verschiedene Privatpersonen und Gruppen durch die Ausstellung geführt worden.
Die Exkursion 2012 ist für Samstag, den 12. Mai, vorgesehen. Ziel ist die Ausgrabungsstätte am Glauberg im Wetteraukreis. Vereinsmitglied Norbert Fischer, der als Grabungsleiter vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege bei der spektakulären Entdeckung des Keltenfürsten mit dabei war, wird die Gruppe führen. Zur Einstimmung darauf hatte es einen Vortrag gegeben.
Von Anfang an hat die heute 55 Mitglieder starke Forschungsgemeinschaft ihre Aufgabe darin gesehen, die Überreste der vermutlich im 13. Jahrhundert zerstörten Burg Schnellerts zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Während der Sommermonate ist an jedem Samstagnachmittag zwischen 14 und 17 Uhr ein kleines Team vor Ort mit Sanierungs- und Säuberungsmaßnahmen zugange. Sein Hauptaugenmerk gilt derzeit der Stabilisierung der Ringmauer. Seit drei Jahren sind die Aktiven dabei, im Norden die Fundamente freizulegen, um die Mauersteine von Wurzelwerk zu befreien. Die Arbeit wird in Handarbeit mithilfe einer kleinen Kelle erledigt und ist zeitaufwendig.
Ein Maurermeister aus Kirchbrombach hat im vergangenen Herbst einen fertiggestellten Abschnitt fachgerecht verfugt und einen kleinen Mauerkranz aus vorhandenen Steinen „ruinenmäßig neu“ wieder aufgemauert. Um die Ringmauer komplett zu schließen, fehlen noch rund zwölf bis 14 Meter, schätzt Thomasberger und weist darauf hin, dass es nach wie vor unklar ist, wie sich die Fundamente genau fortsetzen: Ob die Gesamtanlage also sechs Ecken hatte oder acht, oder ob es vielleicht auch eine bislang noch unbekannte Ausbuchtung gab. Die Arbeiten sollen in den nächsten Jahren in drei bis vier Bauabschnitten fortgeführt werden. So stolz die Gruppe auf das bislang Erreichte ist, so sorgenvoll sieht sie auf ihre durch die professionellen Maurerarbeiten arg geschrumpften Rücklagen. „Da wird sich der Vorstand noch einige Gedanken machen müssen“, war die Erkenntnis.
Einfach auf eine alte Burg zu gehen und dort zu buddeln, ist streng verboten. Die Forschungsgemeinschaft hat für ihre Sanierungsarbeiten von der Unteren Denkmalschutzbehörde eine Sondererlaubnis erhalten. Bei deren Erteilung spielte wohl auch eine Rolle, dass Burgbesitzer Dietrich Fürst zu Erbach-Schönberg Vereinsmitglied ist.
Und worin liegt der Reiz dieser doch recht mühseligen Beschäftigung? Für Volker Thomasberger ist die Antwort klar: Die Burg ruft ihn. Er war erst 14 Jahre alt, als die Gemeinschaft gegründet wurde. Doch die Anlage, „von der man so wenig weiß und die so voller Sagen und Mythen steckt“, hat ihn seit jeher fasziniert. Auch Barbara Dittmann hat sich in vielen Jahren Mitarbeit zu einer begeisterten Hobby-Archäologin entwickelt. „Es ist unglaublich, was selbst kleinste Fundstücke wie Brand-Lehmklümpchen oder Tonscherben erzählen können“, sagt sie.

 

Bericht von der Jahreshauptversammlung 2014 der FGS

Die Forschungsgemeinschaft Schnellerts will sich wieder verstärkt bei gutem Wetter ihrer Arbeit an der Ruine Schnellerts in Stierbach widmen. Ein Fachvortrag über Airborne Laser Scanning zeigte dazu neue Möglichkeiten der Erkundung und Präsentation der historischen Fundstelle auf.
„Ich bin zuversichtlich, dass wir uns in diesem Jahr wieder häufiger an der Ruine sehen werden“ – mit diesem optimistischen Fazit beschloss Volker Thomasberger,  1.Vorsitzender der Forschungsgemeinschaft Schnellerts, bei deren Hauptversammlung in Stierbach seinen Jahresbericht. Zuletzt hatte der seit 1976 tätige Verein, wie Thomasberger einräumte, die Arbeit an der geheimnisumwitterten Burgruine zwischen dem Brensbacher Ortsteil Stierbach und dem Brombachtaler Ortsteil Böllstein etwas schleifen lassen.

Als einen Grund nannte der Vorsitzende schlechtes Wetter an vielen Samstagen – dem Tag, an dem sich die ehrenamtlichen Heimatforscher für gewöhnlich zwischen 14 und 17 Uhr zu Sanierungs- und Säuberungsaktionen an der Ruine zusammenfinden. Immerhin aber hatte die Gruppe zur Präsentation ihres Wirkens anlässlich der örtlichen Kirch,weih und des Weihnachtsmarktes eine Fotoausstellung zur Ruine Schnellerts organisiert, die laut Thomasberger erstaunlich guten Zuspruch aus der Bevölkerung fand. Für 2014 hat man sich nun vorgenommen, wieder mehr Zeit und Energie in den Erhalt der Burganlage, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt, zu investieren.
Einen zusätzlichen Anstoß gab hier der inhaltliche Höhepunkt und Abschluss des Abends, ein Vortrag mit Beamer-Präsentation des Diplom-Ingenieurs Karl-Heinz Gertloff mit dem Titel „Eine neue Sicht auf den Schnellerts“. In seiner Präsentation erläuterte Gertloff, der lange im Wiesbadener Vermessungsamt tätig war, Funktionsweise und archäologischen Nutzen des sogenannten Airborne Laser Scannings (ALS).
Mit Luftaufnahmen in die Vergangenheit
Mit der Technik ist es möglich, Luftaufnahmen von einem Areal anzufertigen und dabei eine dreidimensionale Karte der vermessenen Fläche zu erstellen, die detaillierten Aufschluss über die topografische Beschaffenheit des Bodens gibt. Der Laserscanner sendet 10000 Lichtimpulse pro Sekunde aus.  Hierbei ist das Besondere, dass die verwendeten Laserstrahlen etwaige Vegetation wie beispielsweise Bäume, Büsche, Hütten und Häuser durch den kürzeren Laserstrahl  erkennen, herausfiltern und ein genaues 3 D-Bild  der Geländeoberfläche nur mit den  Bodenpunkten des Laserstrahls mir der längsten Laufzeit  liefern. Sogar der Turmstumpf wurde als außergewöhnliches Gebäude herausgefiltert. Dagegen war der Graben und der Wall hervorragend plastisch und vollständig zu erkennen.
Am konkreten Beispiel der Schnellerts-Ruine demonstrierte Gertloff die Möglichkeiten dieser Technik und wies die Heimatforscher auf Schürfgräben, Minen, Trampelpfade, Köhlerplätze oder gar einen Weinberg hin, die ganz in der Nähe der Ruine bestanden haben könnten, aber heute mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Leider war die erhoffte Plattform einer Blide nur evtl. zu erkennen und müsste noch genauer im Gelände untersucht werden.
Von Gertloffs Vortrag beflügelt. schmiedet man bei der Forschungsgemeinschaft bereits Pläne, an solche Aufnahmen, wie sie von der Zentralen Kompetenzzstelle für Geoinformationen vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, Schäperstraße 16, 65195 Wiesbaden, für ganz Hessen vorgehalten werden, zu kommen, um die eigene Forschung in der Region z.B. Beerfurther Schlösschen, voranzutreiben.
Ganz oben auf der Agenda stehen aber auch praktische Arbeiten. So haben sich die Vereinsmitglieder neue Sanierungsarbeiten vorgenommen, die helfen sollen, die vorhandenen Mauerreste vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Ausbrüche an den Mauern sollen mit Zement und Kalk geflickt werden, um der weiteren Erosion vorzubeugen. Der Turmstumpf hat rundherum Frost – und Setzrisse bekommen.
Dabei kämpfen die Schnellerts-Freunde allerdings nicht nur gegen die Witterung und den Zahn der Zeit, sondern auch gegen den unbedarften Zugriff von Fremden. Wie Thomasberger in seinem Jahresbericht darlegte, hatten im vergangenen Jahr Geocaching-Wanderer Steine aus der Mauer herausgelöst, um dahinter einen der GPS-Sensoren für die digitale Schnitzeljagd zu verstecken.
Im Vorstand gibt es kaum Veränderungen
Bei der Neuwahl des Vereinsvorstandes, die an diesem Abend ebenfalls auf der Tagesordnung stand, hielten die Mitglieder an Altbewährtem fest, sodass sich kaum personelle Änderungen ergaben. Mit einstimmigem Votum und jeweils einer Enthaltung der Anwesenden wurde unter der Wahlleitung von Wolfgang Kalberlah Volker Thomasberger auf weitere zwei Jahre zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der Posten seines Stellvertreters ging erneut an Felix Becker. Barbara Dittmann fungiert weiterhin als Schriftführerin des Schnellerts-Vereins und Klaus Peter Hölzer als dessen Schatzmeister.
Auch bei den vier Beisitzern ändert sich nichts. Diese Posten werden weiterhin vom Fürsten zu Erbach-Schönberg, Georg Dascher, Karl-Heinz Seibold und Alexander Braun versehen. Zudem bekleidet Detlef Reeg weiterhin die Stelle des wissenschaftlichen Beirats.
Zum Kassenprüfer für das Geschäftsjahr 2014 wurden Alfred Becker und Ilse Krüger gewählt.
Der Jahresausflug 2014 wurde auf den 27. September festgelegt und soll in den Taunus zur Saalburg mit Führung um 10.°° Uhr und in das Freilichtmuseum Hessenpark Neu-Anspach gehen.  Abfahrt 8°° Uhr in Fahrgemeinschaften.  Mittagseinkehr ist der historische Landgasthof Saalburg an der Jupitersäule, erbaut von Kaiser Wilhelm I, der dort regelmäßig zu Gast war, um die Baufortschritte am Kastell zu kontrollieren.       (Barbara Dittmann)

Blick-punkt GERSPRENZTAL
März 2015                                        Restaurierte Reste mit reichlich Geschichte

Auf der Burgruine Schnellerts regiert die mystische Mär. An urkundlichen Übermittlungen fehlt es, aber sagenumwoben ist sie allemal, die frühmittelalterliche Burgruine Schnellerts oberhalb des Weilers Stierbach.
Die Mär vom mysteriösen Geist,  der im Innern des Burghügels seine Behausung haben soll, hat die um das Jahr 1200 erbaute Burg überregional bekannt gemacht. Dieser zog mit seinem wilden Heer immer dann, wenn dem Reich Gefahr drohte, geräuschvoll und unsichtbar durch die Lüfte und kehrte erst dann wieder zurück, wenn sich die Zeitläufe wieder beruhigt hatten.

Im Rahmen der archäologischen Grabungen des 20. Jahrhunderts wurde festgestellt, dass die Anlage wohl um 1300 gewaltsam zerstört wurde. Pfeileisen, Armbrustbolzen, Hüttenlehm, Brandspuren, Wurfgeschosse und Schleuderkugeln hat man im Innenbereich gefunden. Sie gelten als Stütze für dieTheorie der Kampfhandlungen „Das archäologisch bearbeitete Fundmaterial stammt ausschließlich aus dem 13.Jahrhundert“, heißt es in einem Bericht der Forschungsgemeinschaft.  Gemeinsam mit sechs Handhellern, der passenden damaligen Währung, wird das Material im Brensbacher Museum aufbewahrt. Mittels einer Altersbestimmung hat man zudem herausgefunden, dass die Burganlage zirka einhundert Jahre ihren Zweck erfüllte. Den Namen  hat man später  vom Berg  auf die Burg  übertragen.

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Einmal so richtig auf einer Burg Mittelalter spielen. Kinder üben sich im Rollenspiel als Ritter und Burgfräulein

Heute sind noch eine sechseckige Ringmauer, ein runder Turmstumpf mit dicken Mauern, Torhaus, Torangelstein und Hanggraben zu besichtigen.
Eine Schutzhütte mit Informationstafeln gibt dem Besucher nützliche Hinweise zur Geschichte. Neuere  Überlegungen vermuten, dass die Anlage ein im Umfeld der Grafen von Erbach belegtes Geschlecht von Hochhausen beherbergt haben könnte oder den Herren von Frankenstein zuzuordnen sei. Auch werden als ehemalige Besitzer die Rodensteiner als Herren von Crumbach angeführt. Die erwähnte Sage verbindet wiederum das wilde Heer mit der dortigen besser erhaltenen und größeren Burganlage. Erwähnt wurde die Ruine erstmals  1742 in den „Reichenberger  Protokollen“ eines Erbacher Amtmannes. Bis 1886 die zeitliche Zugehörigkeit ins Mittelalter belegt  weden konnte, galten die Relikte als ehemaliger römischer Wehrbau.

Unter den Funden sind ein vergoldeter Pferdeschmuckanhänger und ein ebenso vergoldeter
Schmucksteigbügel hervorzuheben.  Die Sage um den Schnellerts hat später den Dichter  Werner  Bergengruen zu literarischem Schaffen inspiriert.

Das Museum im alten Rathaus ist nach Vereinbarung unter Tel. 06161/1555 und am Kerbsonntag und zum Brensbacher Weihnachtsdorf  von 15°° – 17°°Uhr zu besichtigen.

Funde geordnet, Rätsel ungelöst

Von Kirsten Sundermann,  Odenwälder Echo  14.12.2016 

ARCHÄOLOGIE  Was Forschungsgemeinschaft an Ruine Schnellerts geborgen hat, liegt neu aufbereitet im Museum

BRENSBACH – Zum 40-jährigen Bestehen der Forschungsgemeinschaft Schnellerts haben die Aktiven ihren Ausstellungsraum im Brensbacher evangelischen Gemeindehaus neu hergerichtet. Nun präsentieren sich die Fundstücke aus der oberhalb von Stierbach mitten im Wald gelegenen, mittelalterlichen Burg „Schnellerts“ übersichtlich geordnet und beschriftet. Beim Brensbacher Weihnachtsmarkt konnten Besucher das Ergebnis bewundern.

Schnellertsmuseum in Brensbach

Barbara Dittmann (rechts) erklärt im hergerichteten Schnellertsmuseum ausgestellte Fundstücke. Foto: Kirsten Sundermann

Alle ausgestellten Objekte – Münzen, Messer, Pferdegeschirr, Tonscherben und mehr – haben Vereinsmitglieder in und an der Ruine geborgen. Glanzstücke sind ein vergoldeter Steigbügel aus dem Morgenland, der wohl als Mitbringsel eines Kreuzritters in den Odenwald wanderte, sowie das „Schnellertskreuz“.

Vergoldeter Steigbügel zählt zu Prunkstücken

Auch viel kriegerisches Material ist zu sehen und wird anhand von Schautafeln erläutert. Wie beispielsweise die Armbrust-Bolzen, die Schleuderkugeln, oder andere Waffenteile. Von friedlichem Leben auf der Burg zeugen alte Spielgeräte wie Klicker oder Würfel, oder die Reste einer Kirchenglocke. Auch ein altes „Pilger- oder Aachhorn“ aus hellgelber Irdenware ist zu sehen, das von einer Pilgerfahrt nach Aachen stammt und auf der Burg danach vermutlich als Türmerhorn Verwendung fand.

Gesicherte Erkenntnisse über die Burg gibt es nur wenige, weiß Vereinsvorsitzender Volker Thomasberger, und gesteht ein, dass es gerade dieser Umstand ist, der ihn am meisten an den Forschungen fasziniert. Die Burg – ein Modell davon ist ebenfalls ausgestellt – wurde zwischen 1200 und 1300 gebaut und vermutlich bereits Anfang des 14. Jahrhunderts wieder zerstört, von wem und warum auch immer. Wobei den Bewohnern offensichtlich wenig Zeit für einen geordneten Rückzug blieb, was erklärt, dass auf dem Burggelände vermutlich auch alte Truhen stehen blieben, von denen Türschlösser gefunden wurden.

Bei Gründung der Forschungsgemeinschaft im Jahr 1976 war das Interesse der Bevölkerung noch riesengroß, und zwanzig Jahre lang durften dort oben mittlerweile als legendär überlieferte Waldfeste stattfinden, mit üppiger Bewirtung und einem großartigen, kulturellen Unterhaltungsprogramm. Damals konnte sich der Verein auf über achtzig Mitglieder stützen.

Die Umweltschutz-Auflagen wurden später aber so streng, dass Waldfeste nicht mehr finanzierbar waren und 1993 aufgegeben werden mussten. Auch die Zahl der Mitglieder ging zurück und liegt heute bei etwa 55. „Viele Gründungsmitglieder sind zwischenzeitlich verstorben“, bedauert Schriftführerin Barbara Dittmann.

Heute geht es vor allem um Instandhaltung der Anlage

In früheren Jahren hat sie es gut verstanden, Grundschüler aus Wersau für die Burg zu begeistern. Sie war dort lange Jahre als Lehrerin aktiv und hat mit den Schülern der vierten Klasse regelmäßig im Sommer ein dreitägiges Zeltlager auf der Burg veranstaltet. Fast alle Kids und ihre Eltern unterstützten die Forschungsgemeinschaft damals. Aber viele der jungen Leute haben den Odenwald mittlerweile aus beruflichen Gründen verlassen, sodass die alte Bindung nicht mehr besteht.

Als ihre wichtigste Aufgabe sieht die Forschungsgemeinschaft mittlerweile die Instandhaltung der Schnellerts-Ruine an. Grabungen auf dem Gelände dürfen auf Geheiß der Unteren Denkmalschutzbehörde ebenfalls seit 1993 nicht mehr durchgeführt werden, aber Restaurierungsarbeiten sind erlaubt. Bei den sommerlichen Arbeitseinsätzen werden daher vor allem Sanierungs-, Stabilisierungs- und Säuberungsmaßnahmen angegangen. Zudem wird Sorge dafür getragen, dass die Schutzhütte im Burginnenhof, die die Gemeinschaft anlässlich ihres 25. Jubiläums errichtet hat, intakt bleibt.